Kornblumenlese

Vor einem Jahr hat Lynx beanstandet, dass Poggenburg bei den blauen Kobolden der AfD nicht recht greifbar ist und ihn als Schleimer bezeichnet. Das hat der damals nicht auf sich sitzen lassen, zwei Monate später gab er dann den eingebildeten Türkenbezwinger, damit war es vorbei mit der Parteikarriere. Seitdem hat er offenbar gebrütet, wie er seiner Heldenbestimmung neuen Rückenwind verleihen könnte. Und war ausgerechnet beim Kornblumenpflücken. So einfach scheint das noch zu sein: nimm die Rezepte, die schon vor 120 Jahren falsch waren (und letztlich in zwei Kriegskatastrophen geführt haben), versammle ältere Männer um dich und ab mit der Marie? Das „intransigente Justamentnicht“ soll beim „Asyl deutscher Patrioten“ (AdP) jetzt zur Parteidoktrin erhoben werden. Die Kornblume ist das Emblem, „soziale, nationale, solidarische Heimatpartei“ die Selbstzuschreibung. Deutlicher kann man sich mit der NPD nicht gemein machen, beim Verfassungsschutz wird er sich damit keine Freunde machen. Auch zum wölfischen Wesen als Markenkern hat er sich bei seinem Auftritt im „Heidekrug“ bekannt: er und seine Kameraden werden sich den Erfolg, der ihnen zusteht, holen, sagte er da. Ganz das Raubtier. Und seit wann steht einem Erfolg einfach so zu – ist Erfolg eine Art bedingungsloses Grundeinkommen bei Faschisten?

Da muss sich Höcke bald entscheiden: „heute lautet die Frage Schaf oder Wolf. Und ich, liebe Freunde, meine hier, wir entscheiden uns in dieser Frage: Wolf.“, sagte er beim Kyffhäusertreffen 2018 in schlechtester Goebbels-Manier. Wie lange der Wolf es in der AfD noch aushält, wo man doch jetzt eher dazu neigt, zu den Schafen zu gehören, weil das verlässlicheres Futter sprich Diäten und sonstige staatliche Zuwendungen, z.B. für Parteistiftungen, abwirft? Aber Schafsein und Faschistsein, das schließt sich doch einfach aus, oder nicht? Erfreulich aber, dass Höcke jetzt zwischen allen Stühlen sitzt, weil Poggenburg schneller war…

Eine große Genugtuung für Lynx aber ist, dass Faschisten alle keine Ahnung von Ökologie haben. Die Kornblume als Ackerunkraut ist ja ganz hübsch. Und dem Laien, der in der freien Feldflur lustwandelt, kann sie anzeigen, wo Biolandwirte wirtschaften, wo auf Herbizideinsatz verzichtet wird. Wunderbar farbige Einsprengsel, erst recht zusammen mit rotem Klatschmohn – hach. Doch was wäre, wenn wir eine Kornblumen-Monokultur hätten? Ich fürchte, dann würden wir alle verhungern, denn von deren Samen wird man einfach nicht satt. Also betrachten wir Korn-und Mohnblumen weiterhin als Merkmale von funktionierender Biodiversität. Auch Männer jenseits der 50 brauchen ihr Biotop, genauso wie Instagram-Influencer*innen von zarten 17 Jahren. Je differenzierter ein Ökosystem ist, je größer seine Biodiversität, desto besser ist es gegen Schicksalsschläge oder sonstige Unbilden gewappnet. Monokulturen, egal welcher Couleur, sind auf Dauer sehr anfällig. Ach ja, und Wölfe verhungern, wenn es keine Schafe mehr gibt. Auch das so eine Sache: es muss immer mehr Schafe als Wölfe geben, damit die Ökologie der Wölfe funktioniert. Einfach mal drüber nachdenken die Herren!

(Oder impliziert das, dass es in der Demokratie nie eine Wolfsherrschaft geben kann? Und weil es, aus Faschistensicht die Wolfsherrschaft doch unbedingt braucht, muss folglich… – q.e.d.)

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