The Monty Python Sundowner

Monty Python galten einmal als Inbegriff absurden britischen Humors. Jetzt weiß man nicht mehr recht, ob sie sich dort nicht in den Fallstricken der eigenen absurden Geschichte(n) verheddert haben. Der alte John Cleese leistet sich jedenfalls „first class“-Realsatire und sorgt damit in England und bei den Rechten für Furore.

Schon vor ein paar Jahren stellte er fest, dass London offenbar keine „englische Stadt“ mehr sei. Nach der Europawahl erinnerte er auf seinem Twitter-Account an seinen Befund und führt als Beleg ins Feld, dass die Stadt ja auch mehrheitlich für den Verbleib in der EU gestimmt habe. Cleese ist Brexiteer einerseits, (angeblich) Liberaldemokrat andererseits. Geht eigentlich nicht zusammen. Jedenfalls ist ihm das seit einiger Zeit alles nicht mehr englisch genug daheim, weshalb er sich in die Karibik verfügt hat, auf ein beschauliches Eiland namens Nevis, wo die Welt noch übersichtlich ist (Einwohner: 11.500) und das Leben angenehm, „a relaxed and humorous life style, a deep love of cricket, and a complete lack of knife crime“, bei bestem Wetter versteht sich. Nevis war eine britische Kolonie und ist erst seit 1983 ein (leidlich) unabhängiger Zwergstaat.

Ein wenig arrogant, isn’t it? Der weiße Brite hat das natürliche Recht, es sich überall auf der Welt nett und bequem zu machen. Er hat ja die Kohle. Seine Ahnen haben die schönsten Weltregionen seinerzeit erobert, besetzt, ausgebeutet. Nein, „kultiviert“ nennt er das, der Brite. Drum darf er dort auch ein Herrenleben führen. Wem es nicht passt, ihm seinen Drink zu servieren, kann ja nach London auswandern.

Interessant ist dazu die Einschätzung des Kommentators von der rechten Sezession: Nevis sei ein Ort, „der vermutlich der Anywhere-lichkeit gänzlich unverdächtig ist.“ – Hä? – Hier tropft er heraus zwischen den Zeilen, der weiße Suprematismus, ganz unbedacht offenbar. Für einen britischen oder deutschen Nationalisten ist Somewhere Anywhere, denn ihm gehört ja die Welt. Was für eine Verwirrung. A Sundowner for Mr. Cleese, please!

Ferne Gestade sind Ruhestatt für unsere Träume, und ferne Länder existieren nicht für sich, sondern für uns,“ notiert Teju Cole (1). Cole ist mein Arzt, wenn es darum geht, am Puls der Zeit zu fühlen. Cleese? Puls: unruhig. Drink: noch einen.

(1) Cole, Teju. Brasilianische Erde, in: Vertraute Dinge, fremde Dinge. Essays, 2016.

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