Stockduster

Hin und wieder versuche ich, bei der Betrachtung von Dingen einen Schritt zur Seite zu treten. Die Perspektive zu verändern. Oder auch, mir den Spiegel vorzuhalten (Erschrecken!).

Aktuell beispielsweise in der Debatte um Herrn Tönnies und sein Afrikabild. Nichts von seinen Äußerungen muss wiederholt werden. Ich frage mich allerdings, warum sich kein cooler Afrikaner findet, der kontert, dass es im weißen Europa offenbar nie mehr richtig dunkel wird, denn sonst hätte dieses weiße Europa doch kein Demographieproblem? – Vielleicht würde dann der Einstieg in die Debatte gelingen, um was es eigentlich geht?

Senhor Bolsonaro aus Brasilien hält sich für cool und ist gerne behilflich bei einem solchen „Move“: Er gibt der (gelegentlich naiven) Frau Schulze Bescheid, Deutschland solle die nun zurückbehaltenen Fördergelder für brasilianische Regenwaldprojekte doch besser für die Wiederaufforstung Deutschlands verwenden, das sei sinnvoller. Dummerweise hat er recht, ein Stück weit. – Mich beschleicht stets ein komisches Gefühl, wenn wir den Regenwaldnationen vorschreiben wollen, dass sie gefälligst ihr Territorium weitgehend im Naturzustand belassen sollen – damit es bei uns weiterhin gemütlich bleibt. Pech für euch im Süden, dass wir schneller waren mit der Abholzung, jetzt ist das Budget leider aufgebraucht! Auch eine Form von Rassismus.

Das Dumme ist nur: während in gemäßigten Breiten die Abholzung auf einfache Weise stabile und produktive Ersatzökosysteme ermöglicht, sieht es in den Tropen ganz anders aus. Wenn man nicht aufpasst, geht der Regenwald ganz schnell in eine zwar stabile aber unproduktive Wüste über. Nachteil Brasilien. Dennoch gibt es in der voreuropäischen Geschichte Amerikas Anschauungsmaterial, wie einerseits Rücksichtslosigkeit gegenüber den natürlichen Grundlagen ins Verderben führte und ganze Kulturen auslöschte. Andererseits gab es schon einmal Technologien, den Regenwald produktiv nutzbar zu machen. Das verlangt aber technologische Intelligenz und Geduld. Warum investiert Brasilien nicht in seine Zukunft und macht uns vor, wie man sein Potential produktiv entwickelt, so dass es nicht binnen einer oder zwei Generationen ins Meer gespült wird? Dann könnte Bolsonaro ganz zu recht mit dem Finger auf uns und unsere heraufziehenden Nitratwüsten zeigen. Derzeit benimmt er sich aber doch eher wie all die anderen Idioten, die eifrig daran herumwerkeln, dass es in absehbarer Zeit für uns alle eher düsterer wird.

Weil wir gerade bei anderen Idioten und Nachrichten aus dieser Woche sind: das erratische Agieren von Mr. Trump sorgt jetzt offenbar dafür, dass die Weltwirtschaft sich tatsächlich merklich abkühlt, insbesondere China und Deutschland leiden, war zu lesen. Was heißt das? – Schritt beiseite: ist Trump verkappter Ökologe? Kann es nicht sein, dass gerade er (während Fräulein Thunberg über den Atlantik schaukelt) dem Weltklima eine längst nötige Erholungspause gönnt? In seiner Diktion würde das heißen, dass er den größten Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen leistet, den die Welt je gesehen hat! – Schritt zurück: nein, so weit wird er es nicht kommen lassen. Denn er ist dabei, die Pensionen seiner Stammwähler zu pulverisieren. Das werden sie ihm nicht durchgehen lassen. Er will wiedergewählt werden, also muss er den Ofen ganz schnell wieder einheizen. Ob das dann besser ist? Verwirrende Zeiten. Vielleicht wird es doch wieder dunkel, womöglich stockduster. Und dann?

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