Trennungsschmerz

nach Personalentscheidungen ist nichts, was man der CDU nachsagen könnte. Umso ausgeprägter ist der Trennungsschmerz, wenn es um ein überkommenes Weltbild der Nachkriegszeit geht. So groß, dass weite Teile der Partei sich weigern, in der Gegenwart anzukommen. Fast mutet es nun an, als habe das Intermezzo AKK nie stattgefunden und mein Beitrag von vor über einem Jahr zum Thema Friedrich Merz ist sozusagen immer noch taufrisch.

Freilich ist das alles nicht einfach, wohl gerade für die Ostdeutschen, die unerwarteterweise erleben mussten, dass sie gleich zwei systemische Veränderungen auf einmal absolvieren mussten: nicht nur ins vermeintlich weiche Nest des Westens zu fallen sondern gleich auch noch dem Eiseshauch der Globalisierung ausgesetzt zu sein. Wenigstens hatten da die Westdeutschen ihr Häuschen schon behaglich eingeheizt, was es für nicht Wenige auch nicht einfacher macht zu akzeptieren, dass wir nicht mehr 1985 haben oder noch früher. Wie soll das gehen, ein Wirtschaftmodell auf den Segnungen des Exports aufzubauen, dabei maximal im Windschatten der Weltpolitik zu segeln und sich den Schattenseiten und Rechnungen zu verweigern? Stehen all diese CDU-Häuschen in Wolkenkuckucksheim? In der ARD bei Plasberg meinte der immer interessante Prof. Korte, alles sei eigentlich kein Problem, wenn die CDU doch endlich eine Idee hätte, was sie für diese Gesellschaft erreichen wolle. Sie solle endlich ein großes Ziel ausgeben, dann kämen auch die Leute wieder zurück [wenn sie nicht schon alle bei den Grünen sind]. Ich möche anfügen: und ihren Trennungsschmerz überwinden. Die Nachkriegswirtschaftswunderrheinischerkaptialismuszeit ist doch längst vorbei und wird nicht wiederkehren. Je länger wir (mit der CDU) darum trauern, desto eher besetzen andere die Stühle, die eigentlich für uns vorgesehen waren. Denn die um uns herum verlieren auch allmählich die Geduld.

Übrigens kommt die New York Times heute zum gleichen Schluss und erzählt von den deutschen Schlafwandlern in der Weltpolitik, die sich nur mit ihren eigenen kleinen Alltagsproblemen in ihren Häuschen beschäftigen: Merkel Succession Crisis in Germany Leaves Europe Leaderless, Too – lesenswert.

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