Blöde Blauäugigkeit

Es sei die Lebenslüge des Bürgertums, dass die Weimarer Republik durch den „Zangengriff“ der Radikalen zugrunde gegangen sei, in Wirklichkeit habe der „Extremismus der ‚demokratischen Mitte‘ und der Verrat des Bürgertums die Nazis stark gemacht„, sagt Claus Leggewie heute in der Süddeutschen (SZ Nr. 36/2020, S. 15). Er warnt zwar davor, allzusehr auf Parallelen zu den frühen 1930er Jahren herumzureiten, aber die blöde Blauäugigkeit [sic!] mit der in Thüringen agiert wurde, lässt einfach jeden erschauern, der einigermaßen in Geschichte zugehört hat. Weiter sagt er:

Die AfD hat in Thüringen gezeigt, was sie im Schilde führt: die parlamentarische Demokratie entgleisen zu lassen und sie gewissermaßen sturmreif zu schießen für eine neue Art von Volksdemokratie. Die AfD-Kader planen den Anschlag auf die Demokratie […], sie pflegen einen paranoiden Politikstil, und die Grenzen zum Terror sind dabei fließend.

Gauland hat heute, bei der aktuellen Stunde zum Thema im Bundestag, wieder Zeugnis davon abgelegt, dass ihn Geschichte nicht interessiert, sonst hätte er die Gelegenheit genutzt, sich öffentlich von seinem Sprecher-Kollegen im Europaparlament zu distanzieren, nachdem Paul Ziemiak ihm dafür eine Steilvorlage gegeben hatte. Legt die AfD nicht ständig Wert darauf, als Bewahrer des Judentums in Deutschland gesehen zu werden? Gauland plappert von (s)einer angeblich demokratischen Partei, agiert aber, in Anlehnung an Höcke, als Faschist. Mit grobem Vorsatz – s. dazu auch Chaos, abgesagt?

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