K(l)assenmedizin

Drei Erfahrungen aus dem Minenfeld der Covid-19-Tests.

Immer wieder kann man in diesen Tagen lesen, dass die Corona-Testerei nicht so funktioniert, wie sie sollte. Es werden Leute nicht getestet, bei denen es eigentlich geboten scheint. Andere erfahren eine Art Vorzugsbehandlung, weil sie offenbar zur „zahlenden“ Kundschaft aus dem Kreis der Privatpatienten zählen. Drei Erfahrungen aus dem persönlichen Umfeld, von Menschen, die mir alle nahestehen.

Fall 1: Die Studentin kommt zurück von der Skiwoche in Tirol und besucht ihren Freund. Sie fühlt sich angekränkelt, Husten, Halskratzen, kriegt dann leichtes Fieber. Einen Tag nach ihrer Rückkehr wird Tirol vom RKI zum Risikogebiet erklärt. Die beiden begeben sich in Selbstquarantäne und telefonieren mit Ärzten und Gesundheitsamt wegen eines Tests. Überall werden sie abgewimmelt, einhellige Meinung: ihr seid Studenten, bleibt zwei Wochen daheim. Immer wieder empfindet sie Druck auf der Lunge, immer wieder starten sie einen Versuch, immer Fehlanzeige. Das geht seit zwei Wochen, man kann nur hoffen, dass es bald vorbei ist.

Fall 2: Der Mann über fünfzig erkrankt mit typischen Grippesymptomen: Kopfweh, Gliederschmerzen, Erschöpfung, auch trockenem Husten, bald leichtes Fieber. Hausarzt: bleiben Sie daheim, trinken Sie Tee. Spricht ja im Grunde nichts dagegen. Doch der Mann arbeitet in der Nachtschwärmer-Großstadt-Gastronomie, in allervorderster Front, klare Risikogruppe. Dann steigt das Fieber sprunghaft, der Patient wird unruhig, erkundigt sich nach der Möglichkeit, ein Antibiotikum zu bekommen. Hausarzt: das sei nicht angezeigt. Ruhe bewahren. Der Zustand des Patienten verschlimmert sich weiter, hohes Fieber, er deliriert, ist kaum noch ansprechbar. Die Freundin telefoniert mit dem Notdienst. Geben Sie Ibuprofen. Die kann er nicht mehr schlucken. Sie ruft den Notarzt, der kommt nach über einer Stunde und wird leicht blass. Kaum noch Lungenfunktion, er denkt schon, sein Gerät sei kaputt. Sofort auf die Intensivstation. Da liegt er jetzt, Covid-19-positiv, mit schwerer Lungenentzündung und Nierenversagen, kriegt Antibiotika, Dialyse, ist ins künstliche Koma versetzt, ringt um sein Leben. – Die Hausarztpraxis hat inzwischen geschlossen: Corona-Verdacht.

Falls 3: Das Paar um die 60, Privatpatienten. Sie kriegen leichtes Fieber. Es besteht kein Kontakt zu Risikopersonen und man war in keinem Risikogebiet. Aber es gibt einen sehr guten Kontakt zum Hausarzt, denn dort lässt man sich für teuer Geld in der Fastenzeit den Bauch massieren. Wird schon helfen. Umgehend werden Corona-Tests vorgenommen. Es geht ihnen schon wieder besser, Testergebnis noch unbekannt.

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