Kleine Meditation über das Kärchern

Macht kärchern dement oder ist es eine Form der Meditation? Ein Nachbar einige Häuser weiter kärchert seit Tagen seine geschätzt 12 m2 Terrasse und 20 m2 Garagenvorplatz, lässt es lautstark durch die Siedlung dröhnen. Bislang ertragen es alle mit Engelsgeduld – so lange er keinen anderen Unfug anstellt.

Er steht da und bewegt sich in minimaler Geschwindigkeit weiter, eine Schnecke ist ein Rennpferd dagegen. Schaut vor sich auf den Boden – ob er etwas sieht oder nur gedankenversunken vor sich hinstarrt? Der Strahl aus seiner Lanze trifft unbarmherzig noch die kleinsten Poren auf dem Pflaster und in den Fugen. In regelmäßigen Abständen betätigt er das Ventil, stoppt kurz die Pumpe, dröhnt dann wieder los. Wie ein Taktgeber. Wie bei einer Perle am Rosenkranz. So ist das vielleicht, wenn man im Maschinenzeitalter sozialisiert wurde: man kann die Stille nicht ertragen, nicht einmal beim Nachdenken, Beten, Meditieren. Oder bei der Gartenarbeit, die doch auch vielen als Entspannung gilt. Immer muss eine Maschine dabei sein und das Bewusstsein zudröhnen. Dabei könnte er es so schön haben in seinem Gärtchen mit genug Platz für Blumen, Insekten, Vögel, städtisches Wildlife eben. Nein, er kärchert das lieber weg, bevor es ihm über den Kopf wächst. Das ist wahrscheinlich seine tiefsitzende Angst: die Wildnis übernimmt (und Kärcher muss ja auch von was leben).

Vielleicht ist er aber auch ein Pionier der Wildnis? Mit dem Gekärchere verhindert er zuverlässig, dass sich irgendwelche stabilen Verhältnisse auf seinen Pflasterflächen und in den Fugen einstellen. Dass dort eine gewisse Ruhe einkehrt und ein Ökosystem sich festsetzt. Nein, er fährt dazwischen, deus ex machina, und setzt die Verhältnisse auf Null zurück. Vertreibt die Alteingesessenen und schafft Platz für Neues: Lebensraum für Pionieralgen oder woanders vertriebene Insekten, die hier vielleicht eine Zuflucht finden können, weil sonst niemand da ist. Ein Heim für Flüchtlinge! (Das ist vermutlich das letzte, was er will, aber das kommt dabei heraus.) – Auf was für Gedanken man kommt, wenn man beim Kärchern zuhören muss. – Jetzt ist wohl die Pumpe verstopft, es ist Ruhe eingekehrt. Vorübergehend. Am wahrscheinlichsten ist, dass er nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Dagegen ist kein Kraut gewachsen, das lässt sich auch nicht mehr wegkärchern. Alles fließt (nicht immer).

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Thermodynamik

Der Thermomix hat mich noch nie interessiert. Allerdings lese ich heute, dass Vorwerk den Wutbürger im Kunden befeuert hat. Quasi über Nacht hat man ein neues Modell dieses Rührpanschschnitzelgargeräts in den Markt geworfen, weshalb sich Spätkäufer des Vormodells nun übervorteilt fühlen. Und womöglich prozessieren wollen. Ohne Prozess geht ja heute gar nichts mehr. – Laangweilig.

Gestutzt habe ich, als ich lesen musste, dass der neue Thermomix TM6 jetzt auch das Sous-vide-Garen beherrscht, also das Dampfgaren im Plastikbeutel. Was für ein Fortschritt! Vor ein paar Jahren bin ich einmal zufällig in den Genuss von Sous-vide-Gegartem gekommen, weil auf einer italienischen Berghütte gerade ein Sternekoch am Herd stand und uns ein Schweinefleisch servierte, wie wir es aromatischer noch nie gegessen hatten. Er experimentierte da gerade mit Aromen aus dem Bergwald und wir waren seine Versuchskaninchen. Es war gar köstlich. Nur habe ich mich schon damals gefragt, was er wohl mit den ganzen Plastiktüten macht, die er da so verkocht.

Das Sous-vide-Garen ist ein schönes Beispiel für netten aber völlig überflüssigen Scheiß. Nice to have, aber verzichtbar. So wie auch Nespresso-Kapseln beispielsweise. Weil man auch auf klassische Art sehr aromatische Schmorbraten hinbekommen kann. Man wird die Geschmacksintensität der Plastikküche nie ganz erreichen – aber wozu? Ist es das wert? Ist das nicht eine wirklich schmerzlos-einfache Gelegenheit, auf dummen Carbonkonsum zu verzichten?

Es ist schon irritierend, wie wir hier Debatten führen über die schlimme Plastikflut und zugleich das Sous-vide-Garen als heißen Scheiß der Küche hochjazzen und nun auch noch massenkompatibel machen. Auf Wikipedia kann man lesen, dass die Kochbeutel aus Mehrschicht-Kunststoff bestehen, damit man die Ausdünstungen der Weichmacher im Griff hat. Also genau die Kunststoffkategorie, die besonders schwer wiederzuverwerten ist. Die sich leicht verbrennt. Mein gut 60 Jahre alter Cromargan-Schmortopf, den mir meine Mutter vor langer Zeit leichtsinnigerweise überlassen hat, setzt beim Garen garantiert keine Weichmacher frei.

Und so wird eine „runde“ Sache daraus: Mit erheblichem Energieaufwand produzieren wir Plastikbeutel, in die wir dann ein Stück Zuchtlachs oder Bioschwein einschweißen, für ein kleines Weilchen erhitzen, kurz verzehren, dann den Beutel wegschmeißen und verbrennen. Was für eine Verschwendung? Nein, verloren geht nichts. Die Wärme bleibt zurück, zweiter Hauptsatz der Thermodynamik. So basteln wir munter weiter am globalen Kochbeutel, den wir mit uns selbst befüllt haben. Guten Appetit.

N.B.: Sollte es jemals zu einer juristischen Bewertung in Sachen TM6-Verkauf kommen, könnte das Gericht würdigen, dass Vorwerk den Kunden und letztlich dem Planeten einen kleinen Dienst erwiesen hat, in dem es wenigstens einige von ihnen vor den „Segnungen“ des TM6 bewahrt hat. Ob das dann als Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens verkauft wird?

Hundehaltermonologe

Der Schwanz

„Der Schwanz von meinem Hund ist mega! Da kann ich dran ziehen, wenn er vornewegläuft!

 

Der Dieb

Eine Gruppe junger männlicher Migranten, irgendwie orientalisch, sitzt in der Wiese an der Isar. Ein junges deutsches Paar geht vorbei, mit zwei oder drei freilaufenden Hunden. Plötzlich Aufruhr, Auftritt Hundehalter, er brüllt. Die Migranten gestikulieren oder reden unverständlich, sind nicht zu verstehen:

Satz 1: „Was seid ihr denn für Arschlöcher! Ihr dürft den Hund doch nicht füttern. So was macht man nicht, das geht gar nicht!

Satz 2: „Ja, ich mein’s nicht so. Aber ihr müsst schon aufpassen, was ihr tut!“

Satz 3: „Was, er hat sich die Wurst geklaut? Eh, das tut mir echt leid, sorry Leute.“

Abgang.

Scharnigg nölt

Lynx liest seit Kindesbeinen Zeitung und kein Tag vergeht, wo er nicht eine in die Finger kriegen muss. Über die Jahre gab es da viel zu entdecken und ist auch so manche Ernüchterung eingetreten. Besonders traurig ist es, wenn er den Eindruck bekommt, dass das, was er da so wunderbar geschrieben liest, nur eine Attitüde ist. Wenn etwas dringlich und authentisch tut, aber doch nur billiges Futter für eine allzu leicht abzuspeisende Leserschaft ist.

Heute früh zieht auf Zeit-Online der Artikel von Max Scharnigg vor seinen Augen vorbei: Weiß und wunderbar, eine Hymne auf das Winterleben im tiefverschneiten Oberbayern (als es das noch gab), heimelige Geschichten vom Schlitteln und Skifahren zwischen dem Fünfseenland (wo man es sich leisten können muss zu leben) und den Münchner Hausbergen. So voller Schmelz und Klischees, dass es auch in der Apothekenrundschau stehen könnte.

Heute abend hat die Süddeutsche Zeitung online einen Artikel ihres Redakteurs Max Scharnigg veröffentlicht, eine Polemik, wie sie es nennt: Mia san mia? Nein, blöd san mia. Eine Schimpftirade auf das provinzielle München, auf dieses bekanntermaßen größte Dorf und ein Vergleich voll schmachtender Sehnsucht mit anderen, wirklich tollen Städten wie Berlin oder Rom – ??? Auch hier liest man eigentlich nichts Neues und es werden nur die alten Vorurteile bedient. Wem ist damit gedient, außer der beruflichen Auslastung von Herrn Scharnigg?

Und Lynx wird das Gefühl nicht los, dass die eine Geschichte viel mehr mit der anderen zu tun hat, als dem guten Herrn Scharnigg bewusst ist. Jedenfalls nölt er rum, dass die Münchner sich in jeder freien Minute aufmachen in Richtung Alpen und darunter die Urbanität der Stadt ganz wesentlich leidet. Und dann schnappt er sich den Schlitten und fährt raus, dahin, wo die Welt noch so schön in Ordnung ist. Wo die geodelten Wiesen unter einer gnädigen Schneedecke kurze Winterruhe halten. Lynx war gestern im Park spazieren. Da sind die Kinder leidenschaftlich Schlitten gefahren, grad schön war’s. 

Ach Max – kann es sein, dass du ein Teil des Problems bist? Geh‘ mal raus und schau dich um.

Streicheleinheiten

In Alabama hat der Mann gewonnen, der die Mörder von minderjährigen Mädchen hinter Gitter bringt. Nicht derjenige, der sich an Mädchen vergeht. Die „Soccer Moms“ und die schwarze Community hätten den Ausschlag gegeben. Good news. Und Juliette Binoche findet, dass Männer viel zerbrechlicher sind „als wir glauben“:

„Unsere Wahrnehmung von Männlichkeit ist ja völlig deformiert. Wir suchen immer den starken Mann, den Beschützer, den Retter. […] Wir Frauen müssen diese Erwartung loslassen.“

Puuh, das entspannt. Fehlt nur noch eine ordentliche Erkältung. Der kanadische Arzt Kyle Sue hat viel Material gesammelt, mit dem er glaubhaft nachweisen kann, dass „Männergrippe“ keine Einbildung ist. Auch andere Wissenschaftler stützen inzwischen seine These. Männer leiden womöglich tatsächlich deutlich stärker unter viralen Infekten als Frauen und brauchen länger zur Genesung. Kathrin Zinkant berichtet davon und empfiehlt, „Männern echte Aufmerksamkeit zu schenken, wenn ein Virus sie niederstreckt“. Tut das gut. Weitermachen…

Heute erholen wir uns, atmen mal tief durch. Und morgen gehen wir wieder raus und räumen weiter auf, wenigstens den Dreck am Straßenrand, den der Spätherbststurm hergetragen hat.

Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr. 287 vom 14.12.2017

Odl

Schnee ist in Regen übergegangen, Frost ist weg, noch mehr Regen soll kommen: im Westen der Großstadt riecht es, als sei man in die Güllegrube gefallen. Dabei gibt es nahezu kein Dauergrünland in den näheren westlichen Außenbezirken. Fast nur abgeerntete Äcker. Und eine gültige Sperrfrist, also ein Ausbringungsverbot für Gülle. Was sagt das über den Zustand unserer doch so nachhaltigen bäuerlichen Landwirtschaft? Doch eigentlich nur, dass die Ställe zu voll sind und dringend Druck abgelassen werden muss? Und mit meiner bescheidenen pflanzenbaulichen Vorbildung erlaube ich mir die Prognose, dass diese Gülle bzw. das enthaltene Nitrat nahezu vollständig ins Grundwasser entsorgt wird.


Bildrechte: Fahrzeugbilder.de, verändert: Lynx

Achse der Bettler

Beobachtungsquickie am Rande: aktuell sind fast alle rechten Blogs, die Lynx ausspäht, auf Betteltour unterwegs. Hat die jemand ausgeschickt? Wie all diese lumpig ausstaffierten Menschen, mutmaßlich aus Osteuropa, die überall an den Straßenecken ihr Jammerliedchen singen? Sie brauchen das Geld, diese billigen Huren der plumpen Sprüche für’s anspruchslose Volk. Manche heißen einfach wie sie heißen: David Berger, Jürgen Fritz. Andere geben sich phantasievolle Künstlernamen: Achse des Guten – ha. Selige Penetration! (pardon…). Alle betteln sie: gib mir dein Geld! Und ich werde dein trostsuchendes Gemüt noch gaaanz lange weiterf…..
Weniger derb ging es leider nicht. Lynx ist übrigens umsonst zu haben (wahrscheinlich weil er so alt, hässlich und gemein ist).

Nudeln in Hamburg

Lynx war unterwegs und ist hier und da eingekehrt. Mediterrane Küche ist in Hamburg sehr beliebt und die gute Sitte, Brot mit Olivenöl und Salz zu reichen, ist aufgefallen. Aber auch, dass Nudeln in Hamburg teigig serviert werden. Im gehobenen Hotelrestaurant, beim Fernsehkoch, im Sternerestaurant. Überall? Weiß ich nicht, aber auffällig war das schon. Mögen die Hamburger das so?