Kornblumenlese

Vor einem Jahr hat Lynx beanstandet, dass Poggenburg bei den blauen Kobolden der AfD nicht recht greifbar ist und ihn als Schleimer bezeichnet. Das hat der damals nicht auf sich sitzen lassen, zwei Monate später gab er dann den eingebildeten Türkenbezwinger, damit war es vorbei mit der Parteikarriere. Seitdem hat er offenbar gebrütet, wie er seiner Heldenbestimmung neuen Rückenwind verleihen könnte. Und war ausgerechnet beim Kornblumenpflücken. So einfach scheint das noch zu sein: nimm die Rezepte, die schon vor 120 Jahren falsch waren (und letztlich in zwei Kriegskatastrophen geführt haben), versammle ältere Männer um dich und ab mit der Marie? Das „intransigente Justamentnicht“ soll beim „Asyl deutscher Patrioten“ (AdP) jetzt zur Parteidoktrin erhoben werden. Die Kornblume ist das Emblem, „soziale, nationale, solidarische Heimatpartei“ die Selbstzuschreibung. Deutlicher kann man sich mit der NPD nicht gemein machen, beim Verfassungsschutz wird er sich damit keine Freunde machen. Auch zum wölfischen Wesen als Markenkern hat er sich bei seinem Auftritt im „Heidekrug“ bekannt: er und seine Kameraden werden sich den Erfolg, der ihnen zusteht, holen, sagte er da. Ganz das Raubtier. Und seit wann steht einem Erfolg einfach so zu – ist Erfolg eine Art bedingungsloses Grundeinkommen bei Faschisten?

Da muss sich Höcke bald entscheiden: „heute lautet die Frage Schaf oder Wolf. Und ich, liebe Freunde, meine hier, wir entscheiden uns in dieser Frage: Wolf.“, sagte er beim Kyffhäusertreffen 2018 in schlechtester Goebbels-Manier. Wie lange der Wolf es in der AfD noch aushält, wo man doch jetzt eher dazu neigt, zu den Schafen zu gehören, weil das verlässlicheres Futter sprich Diäten und sonstige staatliche Zuwendungen, z.B. für Parteistiftungen, abwirft? Aber Schafsein und Faschistsein, das schließt sich doch einfach aus, oder nicht? Erfreulich aber, dass Höcke jetzt zwischen allen Stühlen sitzt, weil Poggenburg schneller war…

Eine große Genugtuung für Lynx aber ist, dass Faschisten alle keine Ahnung von Ökologie haben. Die Kornblume als Ackerunkraut ist ja ganz hübsch. Und dem Laien, der in der freien Feldflur lustwandelt, kann sie anzeigen, wo Biolandwirte wirtschaften, wo auf Herbizideinsatz verzichtet wird. Wunderbar farbige Einsprengsel, erst recht zusammen mit rotem Klatschmohn – hach. Doch was wäre, wenn wir eine Kornblumen-Monokultur hätten? Ich fürchte, dann würden wir alle verhungern, denn von deren Samen wird man einfach nicht satt. Also betrachten wir Korn-und Mohnblumen weiterhin als Merkmale von funktionierender Biodiversität. Auch Männer jenseits der 50 brauchen ihr Biotop, genauso wie Instagram-Influencer*innen von zarten 17 Jahren. Je differenzierter ein Ökosystem ist, je größer seine Biodiversität, desto besser ist es gegen Schicksalsschläge oder sonstige Unbilden gewappnet. Monokulturen, egal welcher Couleur, sind auf Dauer sehr anfällig. Ach ja, und Wölfe verhungern, wenn es keine Schafe mehr gibt. Auch das so eine Sache: es muss immer mehr Schafe als Wölfe geben, damit die Ökologie der Wölfe funktioniert. Einfach mal drüber nachdenken die Herren!

(Oder impliziert das, dass es in der Demokratie nie eine Wolfsherrschaft geben kann? Und weil es, aus Faschistensicht die Wolfsherrschaft doch unbedingt braucht, muss folglich… – q.e.d.)

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Zündler

Neulich meinte ich ja, die Rechten würden ihr Denken und ihre Absichten verschleiern, bewusst unklar reden, damit man ihrer nicht habhaft werden kann. Stimmt so nicht ganz. Manchmal muss man sich mühsam durch den Schwulst ihrer Schreibe arbeiten, bis man dann an die Stellen vordringt, wo es aus ihnen herausbricht. Beispielhaft, weil höchst aktuell: Götz Kubitscheks Rückblick auf 2018, ein Blogbeitrag in der Sezession vom 01.01.2019 (Hervorhebungen Lynx):

[…]viele Gespräche mit AfD-Politkern, mit den Protagonisten von örtlichen und überregionalen Protestbewegungen, mit bewährten und möglichen Autoren, mit Wissenschaftlern, die sich um die neue AfD-Stiftung zu sammeln beginnen, mit Verleger-Kollegen, mit Blog-Betreibern, mit Intellektuellen aus den anderen Lagern[…] Unsere Leitfragen sind in solchen Gesprächen stets dieselben: Ist der Ernstfall (also der Verteidigungsfall der eigenen Kultur) in Deutschland ausgeschlossen? Wenn nicht: Wann, wenn nicht jetzt, wäre eine resolute und konsequente Reaktion angemessen? Und zuletzt: Wie kann es gelingen, die für einen „Aufstand für das Eigene“ notwendige Energie zu wecken und zu bündeln? […]
Darf ich die Gespräche zusammenfassen? Wir suchten nach einer Antwort, fanden aber keine. Die Begriffsfindungspräzision, die Erklärungsschärfe, das Auffindungsnetz – unser Milieu (im weitesten Sinne) hat alles, kann alles, weiß alles, um Kampagnen gegen die Schwätzer, Lügner, Lückner und Deppen der Gegenseite zu fahren; aber hat es einen Entwurf von effektivem, entschlossenem, aufräumendem Regierungshandeln, eine Vorstellung vom Härtegrad des Durchgriffs?

Nahezu zeitgleich mit der Freischaltung von Kubitscheks Beitrag hat in Bottrop und Essen ein Mercedesfahrer versucht, Ausländer totzufahren. Nach dem, was bisher von der Polizei zu hören ist, seine Interpretation einer resoluten und konsequenten Reaktion. Ob die Polizei im Zuge der Ermittlungen seine Browser-Chronik durchforstet? Die Beiträge der Sezession sind regelmäßig durchsetzt mit solchen Aufforderungen zur Selbstermächtigung. Dort sitzen die Zündler (unter anderem). Auch in Amberg ist das jetzt zu beobachten, nachdem dort vor  Silvester junge männliche und sehr besoffene Asylbewerber unkontrolliert um sich geschlagen haben, was zu einigen Verletzten geführt hat. Angeblich patrouillieren dort jetzt „Bürgerwehren“. Es ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn man behauptet, ihre Rechtfertigung sei der Verteidigungsfall der eigenen Kultur.

Nicht nur, dass Kubitschek hier klar und deutlich redet, nein, er belegt auch die These, dass es ihm und Seinesgleichen darum geht, das Primat des Rechts durch das Primat der Politik zu ersetzen – mithin: gegen die Verfassung zu agieren, die verfassungsmäßig geschützten Freiheitsrechte jedes einzelnen Bürgers auszuhebeln und durch ein aufräumendes Regierungshandeln zu ersetzen. Oder in einem Aufstand das Gewaltmonopol des Staates zu attackieren. Freilich werden sie jetzt einwenden, es ginge nur um einen „Aufstand“ an der Wahlurne, dort werde man sich die rechtliche Legitimation abholen. Ändert aber nichts: so lange die AfD und die Neue Rechte die Schutzrechte der Verfassung nicht akzeptieren und sie durch das Recht des Stärkeren oder der politischen Mehrheit zu ersetzen suchen, mithin das Primat der Politik über das Recht durchsetzen wollen, so lange wenden sie sich gegen das Grundgesetz. Hier darf man, als unbescholtener Bürger und Verfassungspatriot, eine resolute Reaktion des Staates erwarten.

Einstreu im Unterholz #1

Lynx hat sich ins Winterlager zurückgezogen. Die Einstreu von heute handelt vom Staatsdefizit (ein Mythos?), schier endlosen Nullzinserwartungen, stabilen Paarbeziehungen in Zeiten existenzieller Krisen, Narzissten bei der AfD und den Versprechungen des Nordens und ob er sie hält. Wie geht das alles zusammen? Weiß Lynx nicht. Aber es ist da, ist Gedanke, Erfahrung, Erlebtes und hat sich abgelagert auf Papier und digital. Ob es wärmt, isoliert gegen den kalten Zug in diesen Tagen und Nächten? Oder eher Feuchtigkeit zieht, so dass die ganze Wärme abfließt und es zu faulen anfängt? „Einstreu im Unterholz #1“ weiterlesen

Buschfunk 0.0

Wir wissen, weil wir nicht wissen. So in etwa hat sich Frauke Petry geäußert in einer Gesprächsrunde, zu der die Süddeutsche Zeitung in Dresden eingeladen hatte. Geladen waren prominente und engagierte Alt- und Neudresdner verschiedener politischer Couleur und es sollte darum gehen, warum die „Brüche der Gesellschaft“ gerade in Dresden so offen zutage treten.

Lynx liest so was beim Frühstück, seit Jahrzehnten. Neulich wurde ihm von einem Kontrahenten aus dem Dunstkreis von Kubitschles Sezession vorgeworfen, er argumentiere „frei von der Leber weg“. Nun, die Leber gilt als Hauptwohnsitz der Gesundheit von Körper und Geist, seit Urzeiten. Nicht umsonst hat Zeus dem Frevler Prometheus zur Strafe den Adler geschickt, der ihm tagtäglich die Leber heraushackte. In der Leber sitzt der wahrhaft gesunde Menschenverstand, das ist den Göttern, den echten und selbsternannten ein Dorn im Auge, also raus damit. Ist die Leber perdu, wird es mit dem Rest auch nix mehr. Also auf Lebergesundheit achten, was solchermaßen aus dem Bauch kommt, kann nicht ganz verkehrt sein. Doch was hat das mit Dresden zu tun?

Wie gesagt, Lynx liest und verdaut das Gelesene, kaut es mal gut durch, schluckt anderes schnell hinunter und hofft, es gehe ohne Bauchgrimmen ab und würde die Leber nicht vergiften. Im Dresden-Gespräch nun tauchte ein Bissen auf, der von irgendwie ledriger Beschaffenheit war und auf dem etwas herumzukauen ist. Frau Petry hat ihn serviert und er geht so:

„Buschfunk 0.0“ weiterlesen

Authentizitätssimulant?

Friedrich Merz ist auferstanden – am 501. Reformationstag (der alte Katholik)! Die alte Bundesrepublik des rheinischen Kapitalismus lebt und die Ossis finden es toll. Endlich kommt das, was sie immer schon wollten: Kohle. Ohne den sonstigen Firlefanz einer modernen Gesellschaft (so die Illusion). Kann es sein, dass die Vergangenheit wiederkehrt? Kann es sein, dass Vergangenheit sich läutert und gegenwärtig wird, ohne abgeschmackt, ohne illusorisch zu sein? Die AfD packt jedenfalls schon mal die sieben Sachen, wird sich schon ein Inselchen finden, das noch nicht unter Wasser steht.
Schon komisch: nach all den ‚Zumutungen‘ der Merkel-Jahre (Merkel mit ‚e‘), fühlt es sich einfach nur gut an, dass Merz (mit ‚e‘) daherkommt und sagt: alles halb so schlimm. Da geht’s lang, wir sind wir (übersetzt: mia san mia), packen wir’s an (wir schaffen das?) und los geht’s…

Merkel war an einer Stelle wirklich unklug: sie hätte sich Merz als Medienberater und Redenschreiber warmhalten sollen… Nur in ihrer PK zum Abschied vom CDU-Vorsitz war sie rhetorisch so klar, dass sie damit Merz, wäre es eine Bewerbungsrede gewesen, ernsthaft Paroli hätte bieten können. Tempi passati.


Nachtrag 03.11.18: Jagoda Marinić spricht im Hinblick auf die Merz-Kandidatur von „rekonstruierter Vergangenheit“ und zieht den interessanten Vergleich zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses oder, ganz aktuell, weil kürzlich erst ‚eröffnet‘, zur Frankfurter Altstadt. Und schreibt dazu:

„Die ständige Flucht in die Rekonstruktion wird zum Symptom der Furcht vor der Zukunft.“

Als habe sich die Gesellschaft nicht inzwischen stark verändert, als gäbe es nicht jüngere Generationen, die eine Vielfalt aufweisen, die in diesen Rekonstruktionen nicht vorgesehen ist: die Ignoranz und die offensichtliche Praxis, junge Menschen und Minderheiten auszuschließen, sei „erschreckend“. Es fehle ein „erneuernder Gesellschaftsentwurf“, der mehr sei als eine „Großbaustelle der Rekonstruktion“. (J. Marinić: Erneuern. Süddt. Zeitung Nr. 253/2018, S. 6). Da hilft nur: Mehr Licht wagen!

Licht und Tunnelblick

Gibt es Licht am Ende des Tunnels? Einige meinen, eine Funzel zu sehen, weil Angela Merkel womöglich abtritt. Lynx sieht Licht, weil 80 + x % der Wähler sich als lupenreine Demokraten erweisen, zumindest in Hessen. So das Ergebnis der letzten Umfrage vor der Wahl. 80 % für klassisch demokratische Parteien, 20 % für linke und rechte Extremisten. Gesteht man Linke und AfD zu, dass vielleicht die Hälfte ihrer Anhänger ebenfalls als gute Demokraten durchgehen, dann sieht es noch rosiger aus. Morgenröte?

Es ist doch ganz einfach und man kann es am derzeitigen Lauf der Grünen ablesen: die Leute wollen Licht sehen und nicht den Tunnel. Die AfD ist für den Tunnelblick zuständig und wird auch nie etwas anderes anbieten können. Die Grünen stehen für das Licht, wenigstens für’s Erste. Also, raus Leute, ans Licht und an die frische Luft!

Mantra #5

Das größte Glück ist das Vergessen jener Dinge, die unwiederbringlich sind.
(Rerum irrecuperabilium summa felicitas est oblivio)

Den Satz verdanke ich einer Fernsehdokumentation über die Gärten der Schlösser der Habsburger in und um Wien. Er gilt als Wahlspruch von Kaiser Friedrich III. (1415-1493). Im zweiten Innenhof des Alten Schlosses in Laxenburg ist er Teil einer Inschrift an der Fassade, die erst 1982 wieder freigelegt wurde. 1492 wurde Amerika entdeckt, damit begann endgültig die Neuzeit. Kaiser Friedrich war in persona einer der letzten Vertreter des Mittelalters – und der Herrscher des Hl. Römischen Reiches, der am längsten regierte, 53 Jahre lang als König und Kaiser. Es war eine Zeit beginnender epochaler Umbrüche, vielen galt Friedrich jedoch als „des Heiligen Römischen Reiches Erzschlafmütze“.

Die Inschrift soll auf das Jahr 1453 zurückgehen, da hatte Friedrich den erhofften direkten Zugriff auf Böhmen und Ungarn verloren. Der Satz taucht in dieser Zeit wohl an verschiedenen Stellen als Sinnspruch auf. Eine antike Originalquelle sei nicht bekannt. Dafür gibt es aus dem Umfeld der Habsburger später interessante Interpretationen:

So soll Kaiser Franz II. / I. den Satz zitiert haben, nachdem er 1811 einen Staatsbankrott verkünden musste. Als Franz II. war er der letzte Kaiser des Hl. Römischen Reiches und dankte 1806 ab. Als Franz I. gründete er sich aber vorsorglich 1804 das „Kaisertum Österreich“, um seine habsburgische Hausmacht zu sichern in der Auseinandersetzung mit Napoleon. Laxenburg war eines seiner liebsten Schlösser, so kannte er wohl daher die Inschrift seines Ahnen. Er hat sie in einer Weise zitiert, die dem Gottesgnadentum seiner Kaiserwürde, von dem er zutiefst überzeugt war, gut gerecht wurde.

Im ersten Akt von Johann Strauß’ Wiener Operette „Die Fledermaus“ (1874), die der Stern als „’Dom Pérignon’ unter den Operetten“ bezeichnet, gibt es ein Trinklied, wo es heißt:
Flieht auch manche Illusion,
Die dir einst dein Herz erfreut,
Gibt der Wein dir Tröstung schon
Durch Vergessenheit.
Glücklich ist, wer vergißt,
Was doch nicht zu ändern ist!
Sing, sing, sing, trink mit mir,
Sing mit mir – Lalalala!

Hier dient der (sinngemäß abgewandelte) Satz als Motto des ganzen Stücks – doch ob es lebensklug ist, schicksalhafte Entwicklungen sich mit großzügigem Alkoholkonsum aus der Erinnerung wegzusaufen? Zumindest ist es gut, Illusionen als solche zu erkennen.

Aktuell scheint Angela Merkel sich an Friedrichs Wahlspruch erinnert zu haben. Auf dem CDU-Landesparteitag in Thüringen am vergangen Wochenende sagte sie u.a.:
Wenn wir uns für den Rest des Jahrzehnts damit beschäftigen wollen, was 2015 vielleicht so oder so gelaufen ist und damit die ganze Zeit verplempern, dann werden wir den Rang als Volkspartei verlieren […] Deshalb fordere ich, dass wir uns jetzt um die Zukunft kümmern […] Mit Griesgram gewinnt man die Menschen nicht.

Zukunftsoffenheit, Optimismus, Mut, Innovationspolitik nannte sie als Gegenmittel – die sind aber bereits von einer anderen Partei derzeit okkupiert. Ob für die CDU/CSU da noch etwas abfällt?

Jedenfalls zeigt sich, gerade in der aktuellen Entwicklung bei den Grünen (und der AfD), dass Zukunftsoffenheit befreiend und beflügelnd wirken, das ewige Hadern aber zu immer noch mehr Frustration und schweren Gedanken führt: irgendwann wird das selbst vielen AfD-Wählern zu viel der Depression und hoffentlich setzt sich auch dort die Erkenntnis durch: die Vergangenheit ist vergangen und Unwiederbringliches ist nicht zurückzuholen, auch wenn man noch so fest daran glaubt. Der alte Kaiser wusste das. Eine Dame, die Manche inzwischen auch zur Erzschlafmütze ausgerufen haben, scheint hellwach zu sein. Und man könnte ja mal in die „Fledermaus“ gehen.

Bildquelle: Elisabeth Firsching (verändert)

Wurmschwanz

Das Kubitschle war vergangenen Samstag in Chemnitz dabei, beim „Trauermarsch“ der Profiteure versteht sich. Und hat eine ganz schlaue Erkenntnis mitgebracht. Es ist nicht gut für die „Bewegung“, wenn die AfD-Funktionäre Gesicht zeigen oder die „Partei“ gar als Organisator von Großkundgebungen auftritt. Er rät zur Schleimertaktik: sich möglichst gesichtslos unters Volk mischen, die propagandistische Drecksarbeit anderen überlassen und dann die Stimmung als Stimmen einfangen. Ja keine schlechten Bilder! Nachzulesen bei Jürgen Fritz, dem Gewährsmann für die Verbreitung faschistischer Umtriebe aus erster Hand.

Lynx denkt: solch schleimig-schneckiges Gebaren. Wurmschwanz. Also nicht selber Verantwortung übernehmen und Gesicht zeigen. Sondern quasi „privat“, unterm Tarnumhang bei den Faschisten mitmarschieren. So viel zur „bürgerlichen Gesinnung“ in der AfD und ihrem Umfeld. Halten die die Leute wirklich für so blöd? Der Bürger zeichnet sich eigentlich dadurch aus, dass er Gesicht zeigt. Die AfD hat in diesem Sinne „fertig“, endgültig. Meuthen versucht sich zwar immer noch in Rechtfertigungen, mit den üblichen beigepackten Verschwörungstheorien, aber dem hört eh keiner mehr zu.

Nachtrag 04.09.18: Im aktuellen Blogbeitrag wendet JF das Prinzip „Tarnumhang“ sofort an. Das Headerbild zeigt den „Führer“ Björn „das Schandmal“ Höcke und seine Gefolgschaft letzten Samstag in Chemnitz. Hinter dem rechtsgescheitelten Höcke (an wen erinnert das nur?), der seltsam leer in Richtung Kamera blickt, reckt ein halb verdeckter Mann die Kamera hoch. Wüsste man nicht, dass es Lutz „Pegida“ Bachmann ist, würde man ihn nicht unbedingt erkennen. Bilderretusche also, ohne sich des unmittelbaren Retuschierens schuldig zu machen. Immer schön in der Grauzone bleiben und ja keine schlechten Bilder! Aber zu spät: wir haben euch längst entdeckt.

Ein herzliches „Grüß Gott“ nach Österreich

Die meisten Kommentatoren meinen, die CSU habe sich im machtpolitischen Duell mit der CDU und der Kanzlerin durchgesetzt (denn um die inhaltliche Frage geht es eigentlich so gut wie gar nicht). Lynx sagt: Spiel Merkel. Wie das? Mehrere Indizien.

1. Seehofer bleibt. Damit hat sie Söders Plan durchkreuzt, Seehofer als CSU-Märtyrer zu opfern und so „elegant“ aus dem Weg zu räumen, um ihn dann schnellstmöglich umfassend zu beerben. Dobrindt hat das gerade noch rechtzeitig erkannt, drum wurde er so furchtbar aufgeregt, als Seehofer den Rücktritt ins Spiel brachte. Doch warum sollte Merkel sich für Söders Pläne interessieren?

2. Merkel bleibt. Söder denkt, der schnellstmögliche und ressourcensparendste Weg, die AfD in Bayern zurückzustutzen, sei es, Merkel zu stürzen. Sacharbeit in der Migrationsfrage ist unendlich schwierig, zeitraubend, es dauert, bis man Erfolge nachweisen kann, bis dahin ist die Landtagswahl vorbei. Merkel weg, das wäre ein ganz schneller Erfolg, das Aufatmen in gewissen Kreisen der Bevölkerung dachte er sich als Honigtau für die CSU einzusammeln. Jetzt muss Söder wohl oder übel arbeiten, was er hoffentlich auch tun wird.

3. Der CSU wurde eine Beschäftigungstherapie verordnet. Denn sie ist es, die nun zuständig ist, all das, was da als „Formelkompromiss“ vereinbart wurde, umzusetzen, auszuhandeln. Als Bundesinnenminister, als Landesregierung an der Grenze zu Österreich. Das wird (k)ein Spaß für die Herrschaften. Mit Dampfgeplaudere kommen sie nun jedenfalls nicht mehr weiter.

4. Kurz gestutzt. Der Protagonist der anderen Dampfplauderer. Ihm fallen die großen Sprüche auf die Füße und er kann jetzt, auch noch mit dem Gewicht des EU-Ratsvorsitzes, zeigen, wie europäische Verständigung geht, oder nicht?

Raffiniert eingefädelt: die Bayern müssen sich jetzt mit den Österreichern einigen. Vornherum sind das ja die besten Spezln. Aber hintenrum ist Hauen und Stechen. Merkel hat jetzt hoffentlich wieder Zeit für die wichtigen Dinge Ihres Amtes.

Mantra #3

Grußwort an den AfD-Bundesparteitag in Augsburg:

„Ich glaube, es ist eine traurige Wahrheit, dass wir unserem Affenzustand noch recht nahe sind. Und dass die Zivilisation nur eine sehr dünne Decke ist, die sehr schnell abblättert.“ (Fritz Bauer)

Fritz Bauer (1903 – 1968) war Generalstaatsanwalt in Hessen. Er gab dem Mossad den entscheidenden Hinweis auf Adolf Eichmann, der sich nach Südamerika verkrochen hatte, und war in seinen Funktionen und an vielerlei Stellen, entgegen vieler Widerstände aus dem System, einer der entschiedensten Aufklärer über den Nationalsozialismus in der jungen Bundesrepublik. Er hat, als Zeitzeuge der 1920er Jahre, zum Beispiel klar gemacht, dass es schon in den Frühzeiten des aufkommenden Nationalsozialismus (in München) eine Menge Leute gab, die mit dem Begriff „Humanität“ nichts anfangen konnten/wollten und „Humanität“ immer gleich mit „Humanitätsduselei“ gleichsetzten. Woran erinnert uns das?

Dazu anschauen: https://www.phoenix.de/sendungen/dokumentationen/fritz-bauer-a-280207.html

Das Urteil der Alice

Alice Weidel kennt sich ja mit Mädchen aus, insbesondere mit Kopftuchmädchen und da wiederum ganz genau mit den „Taugenichtsen“ unter ihnen. Deshalb hält Lynx sie für besonders qualifiziert, die „Taugenichtigste“ zu wählen. Nach klassischem Muster gibt es drei Kandidatinnen. Und natürlich sind es nicht nur drei Mädchen, sondern, wie beim alten Paris, drei Göttinnen, unter denen sie auswählen muss:

So liebe Alice, wer ist denn nun dein Herzblatt?


Bildquellen:
Deutsche FotothekMittelbayerische ZeitungIstorie pe scurt

Bürgerkrieg als erweiterter Suizid?

Neues vom Phänomen der Todessehnucht unter Faschisten aus der AfD. Wegen der eigenen Großartigkeit geht ein stiller Abgang natürlich gar nicht, das ist ja ungute Tradition bei denen. Auch sonst wird es wirr und wirrer. Nachzulesen bei Telepolis und bei Kontext.
Da bleibt einem die Spucke weg. Würde man deren Jargon verwenden, müsste man sich fragen, welches Natterngezücht wir uns da herangezogen haben. Zitat gefällig?

Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millione Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Hauptsache es geht los. Insbesondere würde ich laut lachen, wenn sowas auf der Gegendemo passieren würde. Tote, Verkrüppelte. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. SIEG HEIL!

Marcel Grauf

Grauf, der hier nicht als Herr anzusprechen ist, arbeitet für die AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg. (Die AfD versucht diese Äußerungen einmal mehr als „Jugendsünden“ abzutun. Das „Jüngelchen“ war da schon jenseits der dreißig. Wann endet die Kindheit bei den Faschisten?)

 

Watt denn nu?

Bei den blauen Kobolden geht es drunter und drüber. Eigentlich wollen sie ja nichts anderes, als dass man sie wahrnimmt. Wahr nimmt? Da fangen die Probleme schon an. Meist quatschen sie sich einfach um den – Verstand? Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme.

Beim letzten Mal konnte ich Poggenburg nicht finden – und jetzt: kurz mal den Kopf rausgesteckt und Rübe ab, zumindest vorläufig. Wie würde Mama Bavaria sagen: ach der kleine André: ist halt nicht der Hellste und verläuft sich gern mal. Zuvor hat schon Besen-Meier den Abgang gemacht und muss sich nun wohl um juristische Dinge in eigener Sache kümmern anstatt andere Menschen sachgrundlos zu verunglimpfen. In beiden Fällen geht es um Rassismus-Vorwürfe und immer wehrt die AfD ab, behauptet, Rassismus sei nicht ihre Sache, habe bei ihr keinen Platz. Ist das so?

Wenn Lichtkrieger Jürgen Fritz mal nicht mit Facebook-Sperrungen beschäftigt ist und selber mühsam Satiren fummelt, die man daran erkennt, dass er drunterschreibt, dies sei eine Satire, dann räumt er „Gastautoren“ wertvollen Platz auf seinem Blog ein. Seit einer Weile gehört dazu auch Jörg Meuthen, auf verzweifelter Suche nach Gehör. Aktuell ist da von ihm sein in der „Welt“ nicht veröffentlichter offener Brief zu lesen, eine Entgegnung auf Cigdem Toprak. Darin formuliert er in seiner „Funktion als Vorsitzender der AfD“ einige Dinge, die so gar nicht passen wollen zum sonstigen Jargon. Etwas gönnerhaft gesteht er Toprak zu, dass sie sich als Deutsche sehen dürfe, nicht nur als „Auch-Deutsche“, denn sie schreibe ja schließlich „engagierte Zeilen in tadellosem Deutsch“. Aber immerhin: er scheint klar machen zu wollen, dass Deutsch-Sein nicht eine Frage der Ethnie, sondern der bürgerlichen Nationalität ist: das Grundgesetz eint uns, nicht die (eingebildete) ethnische Homogenität eines „Volkskörpers“ oder wie man den Schmarrn sonst bezeichnet. Er kann es allerdings dann nicht lassen, wieder auf Deniz Yücel herumzuhacken, an dessen „deutscher Identität“ er Zweifel hat, weil der es angeblich gut findet, dass die ethnische Homogenität des Volkskörpers schwindet. Ist „richtiges“ Deutsch-Sein also doch mehr als eine bürgerliche Nationalität? Meuthen windet sich wie eh und je. Er erinnert an die Schlange, die sich in ihr Hinterteil verbissen hat und daran erstickt.

Poggenburg ist bekennendes Hinterteil, er ist da ganz klar. Er sieht sich natürlich nicht als Hinterteil, sondern als Speerspitze einer teutonischen Reconquista, die „die Türken“ hinter den Bosporus zurücktreiben will. Gauland ist ebenfalls klar und bei Poggenburg: „Die Türken gehören nicht zu uns“. Hoppala Gauland: was wird Meuthen dazu sagen? Natürlich nix. Aber der ehemalige Petry-Berater, dann Meuthen-Sprecher und neuerdings persönliche Referent von Gauland, „Fähnchen im Wind“ Michael Klonovsky springt seinem Chef schnell bei, auch er als „Gastautor“ bei Fritz: Mit spitzfindigem Sophismus versucht er darzulegen, dass Gauland mit „die Türken“ ganz klar keinesfalls die Türken gemeint hat, sondern lediglich die Türken der Türkei oder so ähnlich. (Die Veröffentlichung dieses Beitrags hat Fritz im Übrigen die nächste FB-Sperre eingebracht, womit er sich jetzt wieder brüsten kann als verfolgte Unschuld). Ist es nun eigenartig oder perfide, dass man Sachverhalte zugleich einfach und doch nicht einfach erscheinen lässt, um dann wortreiche Erklärungsgirlanden spinnen zu können, die wiederum alles und nichts sagen? Das Geschäft von Populisten halt: schlüpfrige Schleimer, die man nicht zu fassen kriegt. Trotzdem steht die Frage im Raum: Watt denn nu?

Bei schlüpfrigen Schleimern fällt mir noch ein Kobold ein, den man zwar nicht würdigen aber einfach einreihen sollte: Roger Köppel, die schweizer Lichtgestalt der Selbstbespiegelung. Er hat dieser Tage den Übervater dieses ganzen Mummenschanzes, Steve Bannon, in die Schweiz geholt und versucht, sich als sein Höfling zu empfehlen. Interessanterweise ist David Berger mit seinem „privaten Blog“ (hihi) nahezu zeitgleich in die Schweiz übersiedelt, auf einen „extrem leistungsstarken Server außerhalb der EU“ – ein armer Flüchtling? Ob er wohl bald für Köppels „Weltwoche“ tätig wird oder schon ist?, dieser neuen Heimat für alle, die „überall rausgeflogen“ sind, wie Charlotte Theile in der Süddeutschen vom 08.03.18 über die Bannon-Veranstaltung schreibt. Ihr Beitrag endet mit dem beim Rausgehen aufgeschnappten Satz: „Noch mal würde ich mir das nicht anhören“. Irgendwann ist genug mit diesem Schmonz, man hält es auf Dauer nicht aus, dass einem immer nur der Kopf schwirrt von diesem dumpfen Zeug und all diesen Verschwörungstheorien. Frische Luft muss her. Also sperren wir die Kobolde jetzt wieder weg.

Bildrechte: Svet Karnevalu

Jusos = 2 x AfD

Nur um die Dinge einmal in die richtige Relation zu setzen: alleine die Jusos haben zweimal mehr Mitglieder als die AfD – geradezu reziprok zur Altersstruktur unserer Gesellschaft. — Gut, Mitgliederzahlen stehen nicht in linearem Verhältnis zu Wählerstimmen, eh klar. Aber vielleicht in linearem Verhältnis zu Strukturen und ihrer Persistenz? Da hat die AfD aber viel Arbeit vor sich. Und bis dahin hat Kühnert übernommen…

1 %

Der ultrarechte Rattenfänger Jürgen Fritz rühmt sich dieser Tage, dass sein Blog jetzt über tausend Follower hat. Lynx‘ Gefolgschaft umfasst gerade mal ein Hundertstel davon, ein gutes Prozent. – He must be a total loser!

Nach der Logik der identitären „Ein-Prozent-Bewegung“ reicht es aus, ein Prozent der Bevölkerung zu erreichen, um als „Bürgerbewegung“ und „breite Lobby“ (1) wahrgenommen zu werden. Einer der Stichwortgeber ist das „Kubitschle“, der eingebildete Landgraf und heimatvertriebene Ex-Oberschwabe Götz Kubitschek, der die „Ein-Prozent“ zur veritablen NGO formieren will, zum „Greenpeace für Deutsche“ (2).

Lynx ist eine Ein-Prozent-Bewegung im trüben Umfeld der rechten Blogger. Frei nach deren Methodik (s. 1) versucht er zu tun, „was ansonsten leider niemand tun würde“ (1): er leistet Widerstand gegen gesellschaftszersetzende Einpeitscher, die längst nicht die Interessen einer übergroßen Mehrheit der Bevölkerung vertreten, auch wenn sie sich das gerne einbilden. Er wagt es, in einer alternativlos erscheinenden verschwörerischen Gedankenwelt „Alternativen zu suchen“ (1).

Die rechten Ultra-Jammerlappen stilisieren sich als Medien-Märtyrer und beklagen sich ständig und lauthals, dass man ihre Verbaläußerungen zensiert, die sie in Wahrheit ständig auf allen Kanälen herumposaunen. Sie selbst haben es aber nicht so gerne, wenn man sie in ihrer Blase stört. Meinungsfreiheit gilt nur für Gläubige. Deshalb hat man den Ein-Prozent-Lynx als Kommentator auch gesperrt, so hält man die 100%-Quote sauber (oder 1000 %?), womit der Beweis erbracht ist, dass man vollumfänglich recht hat. Woran erinnert das nur?

Aber wie gesagt, Lynx ist eine Ein-Prozent-Bewegung in der Welt der Blogs: er verlässt sich auf seine „grundsätzliche und graswurzelartige Lobbyarbeit“ (1) für die Interessen einer freiheitlichen Gesellschaft. Deshalb folgt er überwiegend auch anderen Ein-Prozent-Blogs. Das ist seine Welt der Vielen und Freidenker.

Quellen:
(1) www.einprozent.de
(2) taz, 22.01.16: NGO für Rechte in Deutschland