Berg- und Talfahrt

Unterwegs durch eine Unwetterfront

Wir wollten eine Bergtour machen, es sollte hoch hinausgehen, weit über 3000 m, deshalb wählten wir ausnahmsweise die Bergbahn als Aufstiegshilfe. Doch bereits während der Fahrt nach oben, setzte ein bedenklicher Wetterwechsel ein. Um uns herum begannen die Wolken zu brodeln, düstergrau und schwefelgelb. Die Ausblicke in die eigentlich großartige Bergwelt um uns herum wurden immer weniger. Einmal zeigte sich für einen kurzen Moment noch ein anderer Gipfel, auch er ausgestattet mit der Bergstation einer Seilbahn, dort wuselten noch jede Menge Ausflügler in der Sonne herum. Dann ging der Vorhang wieder zu. Wir begannen uns Sorgen zu machen, dass unsere Kabine in heftige Windböen geraten könnte, das hatten wir erst vor einer Weile schon einmal erlebt, sehr sehr ungemütlich. Das Wetter verfinsterte sich immer mehr, es war genau die Sorte von Wetter, die man als Bergwanderer nicht erleben möchte und vor der wir bei unseren vielen zurückliegenden Touren zum Glück immer verschont geblieben waren. Wir entschieden, die Tour sein zu lassen und möglichst sogleich ins Tal zurückzufahren.

Dann kam auch schon die Lautsprecherdurchsage, dass unsere Kabine oben nicht anhalten würde, sondern aus Sicherheitsgründen unverzüglich die Talfahrt aufnehmen würde. Wir waren für diese Entscheidung durchaus dankbar. Dann allerdings auch überrascht, dass die Kabine nicht wendete, sondern über den Berg hinweg in ein anderes Tal hinunterfuhr. Damit hatten wir nicht gerechnet. Doch bevor wir uns klar gemacht hatten, was das für uns für Folgen haben könnte (wie kommen wir zurück usw.), hellte das Wetter auf. Wir waren durch die Front gefahren und vor uns, unter uns breitete sich eine sattgrüne Tallandschaft in goldenem Nachmittagslicht aus, wir waren buchstäblich gefesselt von diesem friedlichen und verheißungsvollen Bild. Je mehr wir uns dem Talboden näherten, desto mehr verlangsamte sich unsere Fahrt, denn vor uns staute sich eine ganze Reihe weiterer Gondeln vor der Einfahrt in die Talstation. Es waren kleine und große Gondeln, moderne Kabinen und folkloristisch-bunte Sänften, mit Troddeln behängt und mit verschnörkelten Dachaufsätzen, irgendwie asiatisch anmutend, ein kunterbuntes Gemisch. Es sprach sich herum, dass die Verzögerung daher rührte, dass unten alle aussteigenden Fahrgäste registriert und einem eingehenden medizinischen Test unterzogen wurden. Das dauerte. Aber es war uns gleichgültig. Wir waren heraus aus dem drohenden Sturm. Wir hatten Zeit. Wir waren im Licht.

2020.088 | Recovery?

Vor Jahren gelang dem Feuilleton der Süddeutschen schon einmal solch ein visueller Geniestreich, heute wieder (SZ Nr. 74/2020, S. 15/16). Auf der Vorderseite geht es um Bill Gates, den Guru und Geldgeber der Epidemieerforschung und -bekämpfung. Auf der Rückseite wird unter dem Titel „Der Derwisch von Absurdistan das neue Album „Recovery“ des Chicagoer Glamrockers Bobby Conn besprochen, den ich nicht kenne und dessen Musik mich wahrscheinlich nicht die Bohne interessiert. Doch dank der glücklichen Hand des SZ-Layouts entsteht auf semitransparentem Zeitungspapier ein Bildkommentar, der alle die langen Artikel und Endlosdiskussionen zur gegenwärtigen Lage auf den Punkt bringt: Wir sind am Boden, erledigt, alle Bremslichter leuchten. Wir hoffen auf Erholung und womöglich bald auf einen Erlöser. Dem Thinktank um Gates ist immerhin zuzutrauen, dass er mehr zustande bringt als der Denkpanzer von Trump.

In der Spalte daneben (nicht mehr abgebildet) bespricht Willi Winkler Bob Dylans aktuelle und überraschende Wortmeldung, Murder Most Foul. Mancher Kritiker spricht schon von Epilog. Recovery ist bei Dylan nicht in Sicht, nur noch tödlich getroffene, verdämmernde Erinnerung. Er berichtet vom Ende einer Epoche, das mit dem Attentat auf John F. Kennedy eingeläutet wird, ein Abgesang. Play „Moonlight Sonata“ in F-sharp / And „A Key to the Highway“ for the king on the harp…

Kurze Reise in die kleine Republik glücklicher Menschen

Roadtrip März 1990 in Thüringen, eine Woche vor der ersten und letzten freien Volkskammerwahl in der DDR, zwischen Vorfrühling und Endzeit, vor 30 Jahren.

Zwei Fast-Noch-Studenten, ein roter Golf-I-Diesel, ein nur vager Plan zur Reiseroute. Wie immer war klar: wir wollten ins Hinterland und auf die Nebenstraßen. Denn nicht nur die DDR-Bürger waren aufgekratzt im Spätherbst und Winter 1989/90. Stundenlang hatte ich mir im Fernsehen die Sitzungen des Runden Tischs in Ostberlin angesehen, fasziniert: da passierte etwas und es wurde darum gerungen, dass es zivilisiert geschah. Mitte März ergab sich eine Gelegenheit, für ein verlängertes Wochenende sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen, wir reisten in die mitteldeutsche Provinz – wer wusste schon, wie lange es sie in dieser Form noch geben würde? (Dabei fotografierten wir leider viel zu wenig und teils mit einfachen Kameras. Die digitalisierten Dias entwickeln dennoch einen ganz eigenen Reiz einer schon fern erscheinenden Zeit.)

Ein klarer Spiegel dient dazu, die eigene Gestalt zu erkennen; die Vergangenheit dient dazu, die Gegenwart zu erkennen. 
(Chinesisches Sprichwort)

Irgendwo in Oberfranken überquerten wir die Grenze hinein in den Thüringer Wald. Der einst gefürchtete DDR-Grenzer warf nur einen oberflächlichen Blick auf unsere Papiere, gab sich Mühe, freundlich zu lächeln und schon waren wir „drüben“. Vorausgehende DDR-Erfahrung hatten wir so gut wie keine, aber wir waren jung und hatten ein verlässliches und sparsames Gefährt dabei. Der Vorfrühling ist durchaus eine schwierige Reisezeit. Es ist kühl bis kalt, die Vegetation noch in Winterruhe, die Landschaft graubrauntrüb. Waldige Mittelgebirge mit Nadelwäldern neigen zur Düsternis, so auch die ersten Eindrücke auf der Fahrt durch den Thüringer Wald auf kurviger Strecke. Wenige Häuser oder Siedlungen unterwegs, und wenn, dann von grauschwarzen Schieferschindeln verhüllt, was die Schwermut der Gegend noch unterstrichen hat. Keine Veranlassung, irgendwo anzuhalten.

Ausfachung von Fachwerk als Bricolage

So machten wir den ersten Halt in Ilmenau, als sich der Wald gelichtet hatte. Ein Café am Straßenrand in einem bürgerlichen Haus der Vorkriegszeit sah einladend aus. Es war gut besucht, wir suchten uns einen der wenigen freien Tische und zwängten uns irgendwie dazwischen. Fehler: wir hätten uns einen Platz anweisen lassen sollen. Die Bestellung wurde etwas missmutig entgegengenommen, weil wir sie aber verbal äußern mussten, gab es nun für niemanden einen Zweifel mehr: das waren Fremde. Aus dem Westen. Wir nahmen unseren Kaffee ein und versuchten, uns mit der styroporartigen Sahnetorte anzufreunden, ständig beäugt, verstohlen oder unverhohlen. Ein Gespräch ergab sich nicht. Als wir den Raum verließen, meinte man ein deutliches Aufatmen zu vernehmen.

Wir fuhren weiter nach Rudolstadt, dann das Saaletal aufwärts, in der durchaus richtigen Annahme, dass das eine Ausflugsgegend ist, da würde sich schon auch eine Übernachtungsmöglichkeit finden. In Saalfeld hatte man im Hotel keinen Platz für uns, auf dem Weiterweg entlang der Talsperren senkte sich die Nacht herein. Die Straßen waren nun wirklich schmal, keinerlei bei Dunkelheit erkennbare Begrenzung oder Markierung, unser schmaler Lichtkegel verlor sich in düsterem Wald und tiefschwarzer Nacht: ungewohnt. Noch ein oder zwei andere Herbergen lagen am Weg, kein Platz, keine Lust, keine Ahnung. Als Notnagel hatten wir die Adresse eines Pfarrhauses im Raum Schleiz dabei, also schlugen wir diese Richtung ein, in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine andere Bleibe zu finden.

Doch irgendwann standen wir im Kirchhof, klingelten vorsichtig. Und verbrachten dann zwei Abende im Kreis der Pfarrersfamilie, wärmstens aufgenommen. Es gab so viel zu erzählen. Erinnerlich ist mir, dass die Stasi und ihr Unwesen ein Leitthema war. Auch die Unsicherheit, ob da noch Stasi-Leute im Busch seien oder ob man jetzt aus dem Gröbsten raus sei. Und es ging ums Reisen: die Welt entdecken, in Amerika studieren, leuchtende Augen, große Erwartungen.

Vor dem Uniturm in Jena, 10.03.1990

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Jena, spazierten ein wenig in der Stadt herum. Vor der Volksbuchhandlung am JenTower, der damals wohl noch Uniturm hieß, hielt die FDP eine Wahlkampfveranstaltung ab. Die damalige Bundesministerin Adam-Schwaetzer sprach vor einem winzigen Häuflein auf dem zugigen Platz, fast niemand interessierte sich, wir auch nicht. In Weimar machten wir nur kurz Halt, die Stadt war bereits von Touristen eingenommen, beige Rentnergruppen überall, das war nicht unser Ding. Ich hatte zuvor Wieland und Kleist gelesen und wollte Oßmannstedt besuchen, Wielands Landgut, das er für ein paar Jahre bewohnte und erfolglos bewirtschaftete.

"...eine kleine Republik von guten und glücklichen Menschen wie noch keine gewesen ist..."

1797 schrieb Christoph Martin Wieland an seinen Verleger Göschen in Leipzig: „Das Gut ist ein ächtes Horazisches Sabinum; vortreffliche Aussichten, reine Luft, große Mannigfaltigkeit des Terrains, viel Grün, viel Bäume, kurz alles, was eine für mich reizende Situazion ausmacht…“ Mit dem seinerzeitigen Literatur-Papst Klopstock wetteiferte er darum, wer von beiden wohl die süßesten Trauben ziehen möge. Dies sei eine „kleine Republik von guten und glücklichen Menschen […] wie noch keine gewesen ist“, schrieb Wieland an seinen Schwiegersohn in Zürich im ersten Überschwang. Von diesem bukolischen Ambiente finden wir fast nichts mehr vor. Wenn ich mich recht erinnere, war Oßmannstedt im Prinzip eine große LPG mit allerlei Scheunen und Ställen. Wielands Landgut lag unbeachtet neben der Straße, im Dämmerschlaf, verschlossen, fast vergessen.

Wielands Landgut Oßmannstedt, März 1990

Im Winter 1802/3 besuchte ihn dort Heinrich von Kleist, verbrachte Weihnachten und den Jahreswechsel mit der Familie Wieland, war aufgewühlt und voller Erwartungen. Wieland war ihm und seinem Schreiben wohlgesonnen, bestärkte ihn ausdrücklich bei seinen dramatischen Projekten. Aber auch Wielands jüngste Tochter Luise fand ziemlichen Gefallen an Kleist, was dann im Hause Wieland doch nicht so erwünscht war: „Ich habe mehr Liebe gefunden, als recht ist, und muß über kurz oder lang wieder fort; mein seltsames Schicksal! – Wenigstens bis zum Frühjahr möchte ich hier bleiben…“, schrieb Kleist im Januar 1803 an seine Schwester Ulrike. Aber wohl schon Ende Februar, Anfang März musste er Oßmannstedt verlassen, ging zunächst nach Weimar und dann nach Leipzig. Kurze Zeit darauf verkaufte Wieland sein Gut, die Schulden wurden zu hoch, die kleine Republik war am Ende. Aber auf seinen Wunsch hin liegt er im dortigen Gutspark begraben.

Zurück ins Pfarrhaus nahmen wir wieder die Landstraßen und notierten die Bundesfahnen, die über den halb zerfallenen Gehöften wehten… Die kleine Republik war sichtlich am Ende.

Auf Anraten unserer Gastgeber, die wollten, dass wir auch etwas Schönes sehen, sind wir am Sonntag dann das Saaletal hinunter gefahren, zu den Dornburger Schlössern und nach Naumburg, das war nett. Beim Abschied im Kirchhof machten sie sich noch lustig über unseren laut nagelnden Diesel, der höre sich ja an wie ein Trecker und gar nicht wie ein schickes Westauto…

Der Naumburger Dom war touristisch noch kaum tangiert und wir hatten ihn für uns. Im Halbdunkel des Westchores besuchten wir die berühmten Stifterfiguren, die beiden herrschaftlichen Paare, die sich dort seit Jahrhunderten gegenüber stehen: die Machtbewussten und die irgendwie mehr mit dem Leben verbandelten. Ekkehard und Uta mit undurchdringlichen, unnahbaren stolzen Gesichtern, das perfekte Herrscherpaar, von dominanter Präsenz und fast kalter, teilnahmsloser Distanz. Hermann und Reglindis, ein merkwürdig heterogenes Paar. Er melancholisch, zurückgenommen, wie zurücktretend, seitwärts, aus dem Bild. Sie überrascht mit ihrem zugewandten, aufgeweckten, neugierigen, kessen, vielleicht auch naiven Lächeln – die Meinungen gehen da auseinander. Sie rafft ihr Gewand und scheint zum Aufbruch entschlossen. Tatsächlich stammte sie aus Polen und ist noch sehr jung (womöglich im Kindbett) verstorben und Hermann, der ältere Bruder von Ekkehard, hat sich später ins Kloster zurückgezogen. – Hätten wir damals ahnen können, wieviel Prophetie in dieser Aufstellung sich verbarg? – Als wir den Dom wieder verließen, entdeckten wir in einer nahegelegenen Gasse eine Crêperie: ein geschäftstüchtiger Bäcker hatte eine kleine Theke als Straßenverkauf in die Außenwand seiner Backstube integriert und servierte frische Crêpes. Das wiederum entsprach genau unseren Erwartungen, die jedoch zu diesem Zeitpunkt nur an dieser einzigen Stelle erfüllt wurden.

Dornburger Schlösser, Saaletal, März 1990

Eine Woche später wählte die DDR die Volkskammer. Klarer Sieger war die sog. „Allianz für Deutschland“ [!], bestehend aus der ehemaligen Blockpartei CDU, der CSU-nahen DSU und dem Demokratischen Aufbruch (DA) des Stasi-Spitzels Schnur. (Heute schlagen wir uns mit einer AfD herum, die von alten Stasi-Leuten und neuen russischen Agenten durchsetzt ist?) Damit war die Sache gelaufen und die Zeit der DDR abgelaufen. Diese Wahl mit einer Wahlbeteiligung von 93,4 % habe gegolten „als Plebiszit für Artikel 23 Grundgesetz (Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes)“ (Kowalczuk). Wir für uns dachten und sagten: etwas vorschnell. Aber das interessierte niemand. So fuhren wir wieder heim in unser Gelobtes Land, den Kopf voller Fragen und Zweifel, aber auch tief berührt.

Ilko-Sascha Kowalczuk, Historiker bei der Stasiunterlagenbehörde, plädiert dafür, dass wir uns endlich eine neue, gesamtdeutsche Verfassung geben, inkl. überarbeiteter Symbole für diesen Staat, weg vom Raubtier Adler vielleicht, eine neue Hymne jedenfalls. Sollte man darüber nachdenken. Dann müssen alle an den Tisch, die mitreden wollen oder meinen, etwas beizutragen zu haben. Und die Entscheidung zur Annahme könnte womöglich ein Plebiszit sein? Ein quasi ideales und aussagekräftiges Votum zur Annahme läge wohl so zwischen 67 und 80 %, bei ähnlich hoher Wahlbeteiligung. Damit könnte man Weichen stellen und vielleicht manchen Auswuchs austrocknen. Was aber, wenn dieser zweite „Runde Tisch“ mit einem ähnlich klaren, aber eigentlich von den Initiatoren unerwünschten Ergebnis endet, wie der erste? Denn die Sieger der Volkskammerwahl waren eigentlich die, die gar nicht oder nur widerwillig am Runden Tisch teilnahmen und nebenher ihr eigenes Süppchen kochten oder alten Seilschaften frönten.

Nachtrag 18.03.2020: Der Freitag macht sich wieder einmal verdient, in dem er auch in Zeiten der Corona-Krise die langen Linien im Auge behält. In der aktuellen Ausgabe veröffentlicht er, anlässlich des heutigen Jubiläums der Volkskammerwahl, einen Text von Christa Luft, die unter der Modrow-Regierung 1989/90 Wirtschaftsministerin der DDR war. Sie fasst die Situation in diesen Tagen bündig und stimmig zusammen. Aus ihrer Perspektive verständlicherweise mit bitterem Unterton. Deshalb sollte auch nicht verschwiegen werden, dass sie selbst Teil des Systems war, das den Zusammenbruch der DDR heraufbeschworen hat und ihre Einsichten zu spät kamen. Dass dem (womöglich einsichtigen) Strauchelnden vom eigenen Volk ein Bein gestellt wurde und er auch von den Umstehenden nicht aufgefangen wurde, das ist die Tragik dieser Geschichte. Es war einfach zu spät.

2020.043 | Architektur-Wolpertinger

Nachtrag 26.03.2020: In der heutigen Ausgabe der SZ (Nr. 72/2020, R3) wird das grüne Gebäude, das man da im Hintergrund sieht, besprochen. Es handele sich dabei um mutige und selbstbewusste Architektur. Die Architekten sagen, sie wollten anecken, „es anders machen“. Wichtig war ihnen besonders der „große Abschluss“ mit dem hohen oberen Geschoß und den großen Bogenfenstern. – Da fängt die Verlogenheit an: das ist nur Show. Hinter der großzügig auftrumpfenden Kathedralen-Geste verbergen sich zwei Geschoße, denn sonst hätte das den Investor Profit gekostet. Es handelt sich einfach um banale Investoren-Architektur.

Noch krasser ist allerdings der offenbar beschränkte Blickwinkel der Architekten: sie denken nur bis Oberkante Dachtraufe, dort endet für sie die Fassade. Was ihnen die mitplanenden Gebäudetechniker aufs Dach setzen, hat sie offenbar nicht interessiert oder es gab keinerlei Koordination in dieser Frage. Architekten mit eingeschränktem Berufsverständnis.

Das Ergebnis: ein Architektur-Wolpertinger mit einer OP-Kittel-grünen, überambitionierten Fassade, der von Installationen der Gebäudetechnik wie befallen erscheint, eklig-warzige Wucherungen. Darum dürfen offizielle Fotos dieses „Werks“ auch nur aus einem bestimmten Blickwinkel aufgenommen werden, sonst wird der ganze Fake offenbar. Ein wirklich würdeloser Tiefpunkt aktueller Münchner Architektur. Dies „anecken“ zu nennen, ist der Versuch, ein Versagen in einen Erfolg umzudeuten.