Der (ewige) Gärtner

Heute nacht hat der Wind ein wenig ums Häuschen gepfiffen, jetzt flockt es draußen wieder herum, schmuddelwintermäßig. Aber eigentlich nimmt das Frühjahr schon spürbar Anlauf und ich muss mir allmählich Gedanken machen, was ich dieses Jahr mit meinem Minigemüsebeet anstelle. Aber erst muss ich den Apfelbaum noch schneiden, dazu hätte ich es gerne ein bisschen sonnig bitteschön. Also zurück zur Zeitung.

Dort lese ich, dass ein verdienter Mittelalterhistoriker, Johannes Fried, sich auf seine alten Tagen ein paar Überlegungen und Spekulationen erlaubt, wie das „wirklich“ gewesen sein könnte, damals auf Golgatha, medizinisch betrachtet. Kann es nicht sein, dass der Lanzenstich des römischen Soldaten (Johannes 19, 33-34), der zum Abfluss von angestautem Blut und Wasser führte, gewirkt hat wie eine Pleurapunktion, wie man sie heutzutage ausführt? Und dass Jesus lediglich tief ohnmächtig, quasi narkotisiert war, als man ihn ins Grab legte, infolge der Verabreichung von Essig (ebd. 29-30)? Und dass er, nach dem Erwachen aus der Narkose, von weißgewandeten Männern (den Engeln) fortgebracht wurde? Als er wieder hergestellt war, könnte er den Rest seines Lebens gut versteckt verbracht haben, „wahrscheinlich als Gärtner“, so die Mutmaßung. Warum gerade als Gärtner? Dazu müsste ich das Buch wohl lesen. Mal sehen. (1)

Vielleicht liebte Jesus Rosen? Und zog sie für seine angeblich große Liebe Maria Magdalena? Vielleicht lebten sie noch lange fort in stiller Eintracht, Philemon und Baucis von Jerusalem?

There are all kinds of roses
But none are as handsome
As the ones that your own hands have grown
They bring as much hope
Leave as much satisfaction
As anything I’ve ever known

Vergangene Nacht wurden in den USA die Grammys verliehen und, hi folks: die Punch Brothers holten sich die verdiente Auszeichnung in der Kategorie „Best Folk Album“ mit ihrem letztjährigen Album „All ashore“, das man nicht genug preisen kann. Tags zuvor unkten sie noch, sie flögen lediglich hin, um zu bezeugen, dass Joan Baez den Titel davon tragen würde. Doch die Jury war erfreulich zukunftsorientiert, die Zeiten sind danach. Die obigen Zeilen sind dem (schwächeren) Song „The Gardener“ des prämierten Albums entnommen, der letzte Vers allerdings lautet:

May green grow the grass underneath our children’s feet

Ein wiederkehrendes Motiv in der aktuellen Musik der PB, fast schon ein Beschwören der amerikanischen Ideale vom Gemeinsinn und Zusammenhalt, gepaart mit lakonischer Zeitdiagnose: „Just look at this Mess“ heißt ein anderer Song. Jedenfalls: herzlichen Glückwunsch von einem „Big Time Friend“!

Womit wir bei der Kategorie „erwachsener Mensch des Tages“ wären: Timothy Springer ist ein US-Biochemiker aus Boston, der wissenschaftlich Wesentliches geleistet hat, aber auch einen gesunden Sinn für’s Investieren besitzt und es damit zu erklecklichem Wohlstand gebracht hat. Auf die Frage, ob er sich von seinem vielen Geld vielleicht nicht eine schicke Villa am Meer oder in den kalifornischen Hügeln leisten möchte, antwortet er nur: „Kein Bedarf“. Denn: „Wenn wir den Sommer über weggehen, wer kümmert sich dann um die Gemüseernte?“ (2)

Dem ist nichts hinzuzufügen.

(1) Rudolf Neumaier: Atmen kann man auch mit einem Lungenflügel. SZ Nr. 35/2019, S. 9; Johannes Fried: Kein Tod auf Golgatha. C.H.Beck, München 2019
(2) Claus Hulverscheidt: Der Millionen-Professor. SZ Nr. 35/2019, S. 17

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Buchsbaumzünsler: Wespen helfen

Jetzt wüten sie auch bei mir, die gefürchteten Buchsbaum-Schädlinge. An einer Stelle, wo ich dachte, dass die Biodiversität in meinem wilden Garten nicht so ausgeprägt sei, habe ich mich heute früh entschlossen, die Wirkungsweise von Spritzmittel auszuprobieren. Unter’m Spritzen fiel mir schon auf, das recht viele Wespen um mich herum waren und ebenfalls gezielt den Buchs anflogen, mit dem ich gerade beschäftigt war. Bis ich dann entdeckte, wie eine Wespe eine Raupe in der Mitte durchschnitt und sich am saftigen Inhalt labte: frische Shrimps für Wespen sozusagen und eine derzeit reichlich vorhandene Eiweißquelle.

Wenn sich das herumspricht in der Wespen-Community, dann haben die Zünsler jedenfalls einen wirksamen Gegner mehr. Ich bilde mir auch ein, einzelne Schlupfwespen gesehen zu haben, die wären ebenfalls sehr wirkungsvoll. Jetzt hoffe ich nur, dass mein Spritzmittel den Wespen nicht schadet. An anderer Stelle werde ich jedenfalls versuchen, die Kooperation mit den Wespen ohne Gift und mit Handarbeit zu intensivieren.