Hundehaltermonologe

Der Schwanz

„Der Schwanz von meinem Hund ist mega! Da kann ich dran ziehen, wenn er vornewegläuft!

 

Der Dieb

Eine Gruppe junger männlicher Migranten, irgendwie orientalisch, sitzt in der Wiese an der Isar. Ein junges deutsches Paar geht vorbei, mit zwei oder drei freilaufenden Hunden. Plötzlich Aufruhr, Auftritt Hundehalter, er brüllt. Die Migranten gestikulieren oder reden unverständlich, sind nicht zu verstehen:

Satz 1: „Was seid ihr denn für Arschlöcher! Ihr dürft den Hund doch nicht füttern. So was macht man nicht, das geht gar nicht!

Satz 2: „Ja, ich mein’s nicht so. Aber ihr müsst schon aufpassen, was ihr tut!“

Satz 3: „Was, er hat sich die Wurst geklaut? Eh, das tut mir echt leid, sorry Leute.“

Abgang.

Zweierlei Maß?

Steilvorlagen für den Empörungsbedarf des Mobs: schwarzer Flüchtling ersticht am hellichten Tag in der Innenstadt eigenes Kind und dessen Mutter; junger Afghane randaliert nächtens so hemmungslos, dass er in Notwehr erschossen wird; ein Kampfhund beißt seine beiden Halter zu Tode, kurz darauf tötet ein anderer Kampfhund den Säugling seiner Halterfamilie.

So weit, so schlimm, so grauenhaft banal alltäglich – nicht erst seit heute, wohlgemerkt. Irritierend sind allein die Gegenstände der Empörung, die natürlich bei beiden Sachverhalten sofort auf Knopfdruck abgesondert wird.

Bei den Rechten wurden gewalttätige Migranten vor Kurzem ja noch gar nicht als Menschen angesprochen, das hat sich immerhin verändert: man ist vorsichtiger geworden, könnte ja sonst teuer werden. Jetzt drechselt man neue Bezeichnungen: „kulturfremde Immigranten“. Barbaren nannten das die Römer und das ist wohl damit gemeint, man ist aber, wie gesagt, vorsichtig geworden, befleißigt sich vorgetäuschter „political correctness“. Jedenfalls schäumt der Mob: solche Leute müssen weg. Genaueres will man gar nicht wissen.

Nicht weg allerdings müssen gewalttätige Hunde. Die brauchen Schutz und Psychotherapie. Das ist durch eine hunderttausendfach unterzeichnete Petition von „Tierschützern“ belegt. Diese Hunde seien Opfer und verdienten jedes Mitgefühl. Leute, die etwas von der Sache verstehen, wundern sich, wie Einzelschicksale von Tieren den Menschen zu Herzen gehen, während sie genüsslich ihr 99-Cent-Schnitzel vom Discounter schmatzen.

Und Lynx? Kriegt Bilder nicht aus dem Kopf von Männern in langen Ledermänteln, umgeben von Deutschen Schäferhunden, vor deutscher Berglandschaft, abgebildet während weiter im besetzten Osten die Schornsteine der Vernichtungslager rauchen. Wir nennen uns Kulturvolk und befleißigen uns zuweilen eigenartiger Maßstäbe, nach denen wir unsere Kultiviertheit bemessen, um mich vorsichtig auszudrücken.

Ach ja: mit Barbaren meinten die Römer seinerzeit uns.

Rottweiler

Frauen fühlen sich belästigt von einem harmlosen Gedicht auf einer Fassade. Von aufgemalten, nicht freilaufenden Buchstaben, die niemals übergriffig werden. Sie erreichen, dass diese harmlosen Buchstaben weggepinselt werden. Buchstaben eines Gedichts, das sie wahrscheinlich nicht annähernd verstanden haben: was ist so schlimm daran, Alleen und Blumen zu bewundern (meinte gestern eine Berlinerin)?

In einem Münchner Vorort ist ein fünfjähriger Bub von einem freilaufenden Rottweiler angefallen und mehrfach schlimm gebissen worden, als er, erschreckt vom Auftauchen dieses Hundes, zu seiner Mutter flüchten wollte. Die zweijährige Schwester bewahrte ihr dicker Schneeanzug vor schlimmeren Folgen der ihr ebenfalls zugefügten Bisse. Mehrere Augenzeugen berichteten, dass der Hundehalter mit der Situation und dem Einfangen des Hundes heillos überfordert war und sich dann auch noch vom Acker machen wollte.

Lynx spiegelt sich in diesem armen Buben. Seit Kindesbeinen scheut er Hunde. Wie britische Wissenschaftler jetzt festgestellt haben, wird ihm das nicht gut bekommen: Hunde beißen bevorzugt männliche Menschen, die ihnen nicht gewogen sind oder gar ängstlich reagieren. Dann werden Hunde gerne einmal übergriffig, daran gibt es nichts misszuverstehen. Nur Hundehaltern ist das grundsätzlich wurscht.

Wenn Lynx auf dieses Thema zu sprechen kommt, trifft er auf gefühlte 99 % Unverständnis. Nach seinem Eindruck gibt es in dieser Gesellschaft kaum ein größeres Tabu, als das Recht des Hundes auf freien Auslauf im öffentlichen Raum in Frage zu stellen. Es hat offenbar Vorrang vor dem Recht eines jeden menschlichen Mitglieds dieser Gesellschaft im öffentlichen Raum unterwegs sein zu können, ohne einer Gefährdung durch übergriffige Hunde ausgesetzt zu sein.

Doch Lynx ist sich sicher: ein Hashtag zu diesem Thema hätte nichts als einen Shitstorm zur Folge. So viel zu unseren Debatten.
Das Titelbild ist übrigens auf der Original-Website unterschrieben mit: Rottweiler brauchen viel Bewegung an der frischen Luft. Lynx auch.

Bildrechte: Bigandt_Photography über Mein-Haustier.de, Bearbeitung: Lynx