Bavarian Malted Waffles

Die USA begehen heute Thanksgiving, allerdings nur die Einwanderer und ihre Nachkommen, die fest daran glauben, sich im Gelobten Land wiederzufinden. Wie begeht eigentlich die Schwarze Community diesen Tag? Keine Ahnung. Für die indigenen Amerikaner ist dies ein „nationaler Tag der Trauer“, lerne ich aus der heutigen SZ. (Dankenswerterweise gibt Charles M. Blow in der heutigen NYT einen Blick hinter die Kulissen des ersten Thanksgiving-Festes 1621 und seine anschließend blutige Tradition: The Horrible History of Thanksgiving) In der SZ lese ich auch, dass offenbar viele Amerikaner der Meinung sind, die Türkei sei nach dem Truthahn benannt: der turkey ist das Festtags-Nationalgericht, welche Ehre für den Kleinstaat Türkei, so bezeichnet zu werden. Wo liegt die überhaupt, diese Türkei?

Das erinnert an Begebenheiten auf einer USA-Reise vor einigen Jahren. Im wunderbar gelegenen und stilvollen Nationalparkresort in den Appalachen bediente uns beim Frühstück ein agiler junger Kellner mit wohl ostasiatischen Wurzeln. Wir hatten auf der Frühstückskarte entdeckt, dass „Bavarian Malted Waffles“ angeboten wurden: was könnte damit nur gemeint sein? Wir wollten es herausfinden und bestellten, mit dem Hinweis, dass wir aus Bavaria kämen und uns deshalb diese Variante neugierig mache. „What’s Bavaria?“ fragte der Kellner freundlich aber leicht irritiert nach. Unsere kurze Antwort, das sei eine Region in Germany passierte seine brains mutmaßlich in Sekundenschnelle. (Es waren dann einfach Waffeln mit Ahornsirup – warum Bavarian?)

Etwas später besuchten wir Poplar Forest, das nach dem prächtigen Monticello weniger bekannte Landgut von Thomas Jefferson im Süden Virginias, wohin er sich gerne zurück zog, recht ungeniert als Sklavenhalter lebte und sich ein wirklich hübsches Haus mit vielerlei Anklängen an Palladio und die italienische Renaissance erbaute. Die Widersprüche in der Genese der amerikanischen Gesellschaft treten hier offen zutage und werden transparent gemacht. Der Kassenshop wird von engagierten Freiwilligen betrieben, ältere Damen, gepflegt und redselig, stolz, uns ihr Kulturerbe zeigen zu dürfen. Der dezente Hinweis, dass das Architekturkonzept uns recht vertraut wäre aus Europa, Jefferson sich dort ja viele Anregungen auf seinen Reisen geholt habe und diese ganz wunderbar nach Amerika transferiert und umgesetzt hätte, sorgt für irritierte und etwas indignierte Blicke, denn eigentlich ist Poplar Forest doch absolutely unique – oder nicht?

Whatever: Viele Grüße in die USA und feiert schön! Immerhin ist Thanksgiving ein ur-amerikanisches Fest. Wenn man die Kulturgeschichte Nordamerikas im 17. Jahrhundert beginnen lässt. Als Aperitif wird gerne Bier getrunken, Craft-Beer und europäische Biertradition sind seit einer Weile das große Ding. Wie wäre es mit einem „Helles Belles“ aus Oregon? Ein wirklich nettes bavarian inspired Wortspiel, das erst richtig funktioniert, wenn man den Namen ausspricht, in Englisch versteht sich. So geht Marketing, das können sie. By the way – what’s Bavaria?