2017.338

Sarah Sze: Centrifuge, 2017. Haus der Kunst, München, bis 12.08.2018

Die unbedingt sehenswerte Installation von Sarah Sze im Eingangsbereich des HdK (Mittelhalle) ist frei zugänglich. Anschauen – bevor man sich zur Christkindlmarkt- oder Shoppingtour in der Innenstadt aufmacht.

2017.333 | Ludwig Wilding

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Ausstellungshinweis: Ludwig Wilding im Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt, noch bis zum 25.02.2018.

Ludwig Wilding (1927–2010) beschäftigte sich zeitlebens mit Fragen der visuellen Wahrnehmung und den Grenzen des Sehens. Ab den 1960er Jahren begann er mit der Überlagerung von Linien und Rastern, um damit scheinbare Bewegungen im Bild zu erzeugen, die sich je nach Blickwinkel des Betrachters veränderten und teils intensivierten. Sein Ziel dabei war es, die Sehgewohnheiten des Menschen zu irritieren und dessen  Wahrnehmungsmuster von Realität zu hinterfragen.

Die Ausstellung präsentiert einen Querschnitt durch sämtliche Schaffensphasen Wildings: Vom Trompe-l’œil über Scheinbewegungen bis hin zu paradoxen Körpern. Vor allem die Arbeiten aus den 1960/70er Jahren überzeugen und sind wegen ihrer ganz handgemachten 1-0-Effekte aus einer noch fast vordigitalen Zeit für digitale Zeitgenossen überraschend.

Gemeinsam mit seiner Frau Ingeborg Wilding war Ludwig Wilding Stiftungsgründer der 2007 ins Leben gerufenen Stiftung für Konkrete Kunst und Design Ingolstadt.
Bildrechte: ©Nachlass Ludwig Wilding / Ingeborg Wilding-König | Foto: Lynx
Text zitiert aus: Presseinformation zur Ausstellungseröffnung

Pierre Bonnards Landschaften

„Während meiner Morgenspaziergänge vergnüge ich mich damit, die verschiedenen Landschaftsgattungen zu definieren, Landschaft als ,Raum‘, intime Landschaft, dekorative Landschaft usw. Doch im Sehen erblicke ich jeden Tag andere Dinge, der Himmel, die Gegenstände, alles ist in ständigem Wandel, doch eben das hält lebendig.“

Aus einem Brief Bonnards an Henri Matisse im Februar/März 1940. Kriegsbedingt war Bonnard weitgehend auf den engeren Umkreis seines Hauses in Südfrankreich beschränkt. Die widrigen Umstände nutzte er zur Vertiefung seines künstlerischen Verständnisses der Natur bei täglichen Wanderungen in der näheren Umgebung.


Ausstellung nicht versäumen: Matisse – Bonnard: „Es lebe die Malerei!“ im Frankfurter Städelmuseum, noch bis 14.01.2018

Berlinbelichtung

Berlin, Käseglocke | Irgendwo im Nirgendwo, da bin ich

Berlin, Käseglocke | Irgendwo im Nirgendwo, da bin ich

Berlin, Käseglocke | Irgendwo im Nirgendwo, da bin ich

Es ist schon eine Weile her, so zu Beginn des Sommers, da hat die Süddeutsche Zeitung Lesern der Print-Ausgabe ein kleines visuelles Erlebnis ermöglicht, das es eben nur auf Papier gibt und das deshalb den Digitalkonsumenten vorenthalten blieb. Anzunehmen, dass dieser Layout-Geniestreich eher zufällig passiert ist und unbemerkt mit der Zeitung von gestern in der Tonne gelandet ist. – Nicht ganz unbemerkt, drum sei er hier festgehalten und ins digitale Zeitalter gerettet.

Ein launiger und auch drei Monate später noch hochaktueller Artikel von Kurt Kister zu den eher kuriosen Bemühungen von Peer Steinbrück im September Kanzler zu werden ( gegen die „kanzleringewordene Größtseifenblase“), wurde auf Seite 13 mit einem Bild der Reichstagskuppel von Regina Schmeken illustriert. Auf der Rückseite der Berliner Politik ging es dann um Kunst. Ein Gespräch mit dem kalifornischen Land-Art Künstler und „Lichtmagier“ James Turrell anlässlich seines 70. Geburtstages. Dazu ein Bild von Florian Holzherr von Turrells Installation „Breathing Light“ 2013 in Los Angeles.

Blättert man die Zeitung um und lässt am Frühstückstisch kurz das Morgenlicht durch das Papier scheinen, dann werden beide Bilder perfekt ineinander geblendet, mit überraschender Verfremdung, der man nun weiter nachsinnen kann.

Die Paarung der beiden Artikelüberschriften hilft dabei weiter und ergibt zwangsläufig den Titel des Bildpaares: Berlin, Käseglocke | Irgendwo im Nirgendwo, da bin ich.

Passt doch zur bevorstehenden Bundestagswahl: wo verorten wir uns da und was hat das mit unserer Wahrnehmung zu tun oder damit, wie wir wahrgenommen werden?

Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr. 130/2013, S. 13/14

Frühlingszögern

Fernando Botero: Liegende Frau mit Frucht. Bamberg, Heumarkt
Fernando Botero: Liegende Frau mit Frucht. Bamberg, Heumarkt, (c) lynxblox 03/2013

Die Dame ist eine echte Naturistin und trotzt allen Jahreszeiten. Immer wieder neuer Schnee verfängt sich in diesem endlos scheinenden Spätwinter unter ihrer bloßen Brust. Sie zittert nicht. Fängt ihr Körper nur ein paar Sonnenstrahlen ein, ist ihre bronzene Haut bald trocken und warm. Der Schnee weicht, greift noch einmal nach ihr, sie fröstelt einen Augenblick und lässt den Schnee dann zerfließen, achtlos, den Blick hin zum Sommer gerichtet.