Goldrand

In dem heruntergekommenen Häuschen leben zwei ältere Menschen. Wie alt sie sind, ist schwer zu sagen, beide scheinen von den Jahren schwer gezeichnet. Sie ist wohl die eigentliche Bewohnerin, schon lange geht sie an Krücken, kommt kaum mehr voran, erledigt dennoch irgendwie ihre Einkäufe. Sie redet viel mit sich selbst. Umso überraschender ist es, von ihr direkt angesprochen zu werden, sie erweist sich dann als hellwach und informiert. Das Häuschen verwittert vor sich hin, zerfällt allmählich, im Gleichklang mit seinen Bewohnern. Vor einer Weile war ein Entrümpler da, ich dachte schon, sie sei nun ausgezogen. Dann erschien sie in der Haustür und gab Anweisungen. Vermutlich hat sie begonnen, sich von Ballast zu befreien, seitdem ist der Garten um das Haus auch nicht mehr so zugemüllt.

Ihr Mitbewohner sieht eigentlich aus, als würde er gar nicht mit ihr im Haus wohnen, sondern irgendwo zwischen dem Müll im Garten. Ein Clochard, wie man ihn sich vorzustellen gelernt hat. Der Müll ist aber weg, er wohnt nun definitiv mit im Haus. Er ist mindestens so hinfällig wie sie, bewegt sich fast in Zeitlupe, aber ohne Seitenstützen, immerhin. Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen und dachte, er sei ebenfalls ausgezogen.

Gestern nun kam ich vorbei, ein sonniger, maiwarmer Nachmittag. Er saß vor dem Haus, quicklebendig, zugleich in stoischer Ruhe, auf einem wackeligen Stuhl, an dessen Vorderbein eine grünliche Weißweinflasche lehnte. Bevor ich ihn sitzen sah, hörte ich ihn sitzen. Er beschallte die Straße mit 80er-Jahre-Hits aus einem original Transistorradio, das hinter ihm auf der Fensterbank stand. Das war alles. Er saß da, aufrecht, ruhig, in einem blauen Arbeitskittel und mit Sonnenbrille im Gesicht. Dunkle Gläser und mit Goldrand. Stevie Wonder sang dazu.

Im Studiolo

Ich sitze am langgestreckten Tisch vor dem breiten und hohen Fenster. Balkon davor, also die Möglichkeit hinauszutreten ins Freie und doch für mich in der Wohnung zu bleiben. Das Zimmer ist klein, der Balkon aber so breit wie das Zimmer. Ich habe von dort Aussicht auf eine weite, offene Landschaft. Schwung eines Hügels, gestaffelte Hecken und Haine in der Ebene. Leuchtband der S-Bahn bei Nacht. Manchmal glänzen weiße Alpengipfel, weit abgerückt. Es ist ein Dachzimmer mit hoher Decke im First. Die Dachschräge bringt Bewegung in den Raum, eine optimistische, weil von links nach rechts ansteigend, wenn ich am Tisch sitzend aus dem Fenster schaue.

Hier verbringe ich meine Tage und dort vor mir weitet sich der Horizont.
Geländebewegung, Hügelschwung dahinter, halb in der Senke ein einzelner breiter Baum vor dem aufsteigenden Wald in der Gegenbewegung zum flachen Wiesenrücken, der den Beginn der ebenen Weite markiert – die Gedanken schweifen. Und des nachts krieche ich unter die herunterlaufende Schräge, in die entlegene, niedrige Ecke, gleich neben dem Tisch. Aus einem Spalt im First stürzen sich die Fledermäuse in die Nacht…

Notiz aus einer Zeit der selbstgewählten Zurückgezogenheit und Selbstbeschränkung, weit draußen und doch immer seltsam mittendrin, sehr lange her. Habe ich heute zufällig wiedergefunden. Das tat gut. – Das einzigartige Studiolo des Grafen Federico da Montefeltro in Urbino hat ungefähr die gleiche Größe wie mein damaliges Zimmer, 12 m². Aber ohne Fenster mit Aussicht (nur als Oberlicht), ohne Balkon, ganz in sich gekehrt, ganz der Konzentration gewidmet, der Ausblick nur als Illusion. Das Universum auf kleinstem Raum. Kein Dauerzustand, aber eine Übung.

Listlessness

In kleinen Häppchen arbeite ich mich durch die Grapes of Wrath von John Steinbeck, immer mehr begeistert vom Originaltext, der melodiös und rhythmisch ist wie die Musik dieser Landschaft, wie ein guter Song der Punch Brothers. In Kapitel 8 wird Noah Joad eingeführt, der erstgeborene Sohn (sic!), „tall and strange, walking always with a wondering look on his face, calm and puzzled. He had never been angry in his life. He looked in wonder at angry people, wonder and uneasiness, as normal people look at the insane.“ Noah ist „anders“, ruhig, abwesend, abseitig – mit einem Wort: strange. Oder, wieder so ein Begriff, an dem ich hängen bleibe: listlessness zeichnet ihn aus, wohl am besten übersetzt mit Antriebslosigkeit, vielleicht auch mit Gleichmut im Umgang mit Menschen und Dingen, mit denen er es zu tun bekam. „He was a stranger to all the world, but he was not lonely.“ – Noah wird wohl noch eine besondere Rolle spielen im weiteren Verlauf, ich bin gespannt.

Listlessness: Antriebslosigkeit, Willenlosigkeit womöglich, Trägheit, Laschheit, Unlust, Schwunglosigkeit, Schlappheit – lauter Übersetzungsvorschläge, die ich finde. Bei der Wortfügung list-less übersetze ich für mich selber intuitiv: planlos, ohne Agenda, ohne Liste. Nicht der angeratene vorweihnachtliche Gemütszustand im Hinblick auf bevorstehende Familienfeierlichkeiten. Doch seit ich gelesen habe, dass die materielle Ausprägung des Weihnachtsfestes, wie wir es heute und mutmaßlich spätestens seit dem Ende des letzten Krieges, feiern, im wesentlichen auf Charles Dickens zurückgeht, hat meine Griesgrämigkeit diesem Fest gegenüber nicht abgenommen. Charles Dickens! A Christmas Carol! Ja, ich weiß, Dickens hat seine Meriten bei der Sozialen Frage, aber seine altenglische Art ist nicht mein Ding. Und dann hat er uns auch noch diesen ganzen Weihnachtshorror eingebrockt, diese Rennerei, Drückerei, Schieberei. Bei Manchen: Glühwein bis zur listlessness (auch diese Bedeutung gibt es).

In der Wochenend-SZ lese ich, dass aktuell Body Positivity ganz oben auf der Liste steht. Jeder Mensch ist schön, er/sie muss seinen/ihren schön-hässlichen Körper nur posten, möglichst unverhüllt und aufgebrezelt, dann ist auch die celebrity unausweichlich, denn darauf kommt es doch an? Die unwillkürliche Assoziation, die sich hierzu einstellt, ist die Erinnerung an einige entspannte Sommerferien in französischen Naturistencamps. Da gab es beispielsweise das Waschhaus mitten in der Wiese, ein zur Landschaft offener Raum, Blick auf die waldigen Bergen, ein paar Duschen nebeneinander. Und die beinamputierte ältere Dame, die ihre Prothese abschnallte, in die Ecke stellte und dann mit uns unter der Dusche stand. Das ist Body Positivity. Allerdings aus dem letzten Jahrtausend. Seit der Pornographisierung unserer Welt in den letzten rund 25 Jahren gibt es solche Unschuld kaum noch. Damals trug man auch noch relativ weite Klamotten. Heute sind die sehr positiv geformten Körper häufig in sehr enge Wurstpellen gehüllt, so dass man von Allem nichts sieht. Oder umgekehrt?

Listlessness. Irgendwie kein schlechter Vorsatz zur Beruhigung des Gemüts. Doch bevor ich zu salbungsvoll werde, lasse ich den Preacher Jim Casey sprechen, in dessen Begleitung Tom Joad seine vertriebenen Eltern wiedergefunden hat. Schöner, musikalischer und weihnachtlicher lässt sich die „Frohe Botschaft“ nicht ausdrücken:
I got thinkin’ how we was holy when we was one thing, an’ mankin’ was holy when it was one thing. An’ it on’y got unholy when one mis’able little fella got the bit in his teeth an’ run off his own way, kickin’ an’ draggin’ an ’fightin’. Fella like that bust the holiness. But when they’re all workin’ together, not one fella for another fella, but one fella kind of harnessed to the whole shebang—that’s right, that’s holy. An’ then I got thinkin’ I don’t even know what I mean by holy. […] I’m glad of the holiness of breakfast. I’m glad there’s love here. That’s all.


Steinbeck, John. 1982. The Grapes of Wrath. Penguin Books.

2018.365

Wer ist der Reiter mit dem Westernhut? Wer ist der Esel? Wohin geht der Ritt? Ist der Reiter nicht sehr jung? Und der Esel alt? Oder gibt der Reiter nur vor, jung zu sein? Kindischen Krempel hat er dabei – muss das sein? Wohin geht die Reise?

„Wirklichkeit gab’s nicht, weil Vergangenes ebenso wirklich war wie Gegenwärtiges und immer wieder ein Stück Zukunft aufgelöst und eingeschmolzen wurde von dem, was jetzt geschah. Und nur, was du im Gedächtnis hast, kann dir keiner nehmen.“ (Hermann Lenz)

Der Moment allerdings, wo das Stückchen Zukunft schmilzt: wie wird er sich anfühlen? Und wird das, was im Gedächtnis bleibt davon, ein Gepäckstück sein, das es lohnt, aufzupacken, mitzunehmen? Oder nur Ballast? Oder womöglich Schmerz, nur verdammter Schmerz? – Möge die Zeit und die Welt weiter offen sein und weite Ausblicke erlauben. Mit Dank und den besten Wünschen an alle für das neue Jahr.

Gedankensplitter #1

Lynx hätte manchmal gerne die übersichtliche Welt seiner Kindheit zurück, die übersichtliche Welt seines Vaters. Aber nicht die unübersichtliche Welt seiner Großväter: im Vergleich zu deren Welt sind die Herausforderungen und Zumutungen doch noch recht überschaubar. Einfacher wird es voraussichtlich nicht mehr, aber Lynx versucht zu lernen, mit zunehmender Komplexität zu leben, tagtäglich, verschwommene Bilder der in den Sümpfen verschollenen Großväter im Hinterkopf.

Mantra #5

Das größte Glück ist das Vergessen jener Dinge, die unwiederbringlich sind.
(Rerum irrecuperabilium summa felicitas est oblivio)

Den Satz verdanke ich einer Fernsehdokumentation über die Gärten der Schlösser der Habsburger in und um Wien. Er gilt als Wahlspruch von Kaiser Friedrich III. (1415-1493). Im zweiten Innenhof des Alten Schlosses in Laxenburg ist er Teil einer Inschrift an der Fassade, die erst 1982 wieder freigelegt wurde. 1492 wurde Amerika entdeckt, damit begann endgültig die Neuzeit. Kaiser Friedrich war in persona einer der letzten Vertreter des Mittelalters – und der Herrscher des Hl. Römischen Reiches, der am längsten regierte, 53 Jahre lang als König und Kaiser. Es war eine Zeit beginnender epochaler Umbrüche, vielen galt Friedrich jedoch als „des Heiligen Römischen Reiches Erzschlafmütze“.

Die Inschrift soll auf das Jahr 1453 zurückgehen, da hatte Friedrich den erhofften direkten Zugriff auf Böhmen und Ungarn verloren. Der Satz taucht in dieser Zeit wohl an verschiedenen Stellen als Sinnspruch auf. Eine antike Originalquelle sei nicht bekannt. Dafür gibt es aus dem Umfeld der Habsburger später interessante Interpretationen:

So soll Kaiser Franz II. / I. den Satz zitiert haben, nachdem er 1811 einen Staatsbankrott verkünden musste. Als Franz II. war er der letzte Kaiser des Hl. Römischen Reiches und dankte 1806 ab. Als Franz I. gründete er sich aber vorsorglich 1804 das „Kaisertum Österreich“, um seine habsburgische Hausmacht zu sichern in der Auseinandersetzung mit Napoleon. Laxenburg war eines seiner liebsten Schlösser, so kannte er wohl daher die Inschrift seines Ahnen. Er hat sie in einer Weise zitiert, die dem Gottesgnadentum seiner Kaiserwürde, von dem er zutiefst überzeugt war, gut gerecht wurde.

Im ersten Akt von Johann Strauß’ Wiener Operette „Die Fledermaus“ (1874), die der Stern als „’Dom Pérignon’ unter den Operetten“ bezeichnet, gibt es ein Trinklied, wo es heißt:
Flieht auch manche Illusion,
Die dir einst dein Herz erfreut,
Gibt der Wein dir Tröstung schon
Durch Vergessenheit.
Glücklich ist, wer vergißt,
Was doch nicht zu ändern ist!
Sing, sing, sing, trink mit mir,
Sing mit mir – Lalalala!

Hier dient der (sinngemäß abgewandelte) Satz als Motto des ganzen Stücks – doch ob es lebensklug ist, schicksalhafte Entwicklungen sich mit großzügigem Alkoholkonsum aus der Erinnerung wegzusaufen? Zumindest ist es gut, Illusionen als solche zu erkennen.

Aktuell scheint Angela Merkel sich an Friedrichs Wahlspruch erinnert zu haben. Auf dem CDU-Landesparteitag in Thüringen am vergangen Wochenende sagte sie u.a.:
Wenn wir uns für den Rest des Jahrzehnts damit beschäftigen wollen, was 2015 vielleicht so oder so gelaufen ist und damit die ganze Zeit verplempern, dann werden wir den Rang als Volkspartei verlieren […] Deshalb fordere ich, dass wir uns jetzt um die Zukunft kümmern […] Mit Griesgram gewinnt man die Menschen nicht.

Zukunftsoffenheit, Optimismus, Mut, Innovationspolitik nannte sie als Gegenmittel – die sind aber bereits von einer anderen Partei derzeit okkupiert. Ob für die CDU/CSU da noch etwas abfällt?

Jedenfalls zeigt sich, gerade in der aktuellen Entwicklung bei den Grünen (und der AfD), dass Zukunftsoffenheit befreiend und beflügelnd wirken, das ewige Hadern aber zu immer noch mehr Frustration und schweren Gedanken führt: irgendwann wird das selbst vielen AfD-Wählern zu viel der Depression und hoffentlich setzt sich auch dort die Erkenntnis durch: die Vergangenheit ist vergangen und Unwiederbringliches ist nicht zurückzuholen, auch wenn man noch so fest daran glaubt. Der alte Kaiser wusste das. Eine Dame, die Manche inzwischen auch zur Erzschlafmütze ausgerufen haben, scheint hellwach zu sein. Und man könnte ja mal in die „Fledermaus“ gehen.

Bildquelle: Elisabeth Firsching (verändert)

Mantra #4

Meiner Ansicht nach sind jene Leben am schönsten, die sich ins allgemeine Menschenmaß fügen, auf wohlgeordnete Weise, ohne Sonderwünsche, ohne Wundersucht. (Michel de Montaigne)

Was für ein Langweiler? – Montaigne ist seit Jahrhunderten das probate Gegengift gegen die Hybris der Welt. Denn Hybris ist nichts Neues, bei weitem nicht. Und Wichtigtuer, aufgeblasene Egomanen auch nicht, gab es zu seiner Zeit mehr als genug. Montaigne ist Graswurzel, gehört zum Wurzelgeflecht. Die Bäume eines Waldes kommunizieren über die Wurzeln miteinander, unsichtbar, subcutan sozusagen. Auch wenn es oben stürmt. Verrichten ihre Arbeit, ziehen Kraft, stärken sich.

Klingt doch arg nach Wort zum Sonntag. Kultivierte Langeweile. – Ja und? Man ist ganz schön damit beschäftigt, eine kultiviert langweilige Lebenshaltung zu entwickeln und zu erhalten. Nicht zu verwechseln mit „gelangweilt“ übrigens. Das ist das Larvenstadium der Wundersucht.

Mantra #1

Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor dreißig Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt.

Lesenswertes Gespräch mit dem altgedienten Klaus Töpfer bei Zeit-Online (17.01.18), dort zitiert er dieses kluge afrikanische Sprichwort. Erstaunlich und wohltuend, wie unaufgeregt einer spricht, der jahrzehntelang politisch immer dort arbeitete, wo es besonders schwierig und wenig zu gewinnen war. Ein Diener unserer Gesellschaft: dies an die Adresse der ziellos Dauererregten.

Nudeln in Hamburg

Lynx war unterwegs und ist hier und da eingekehrt. Mediterrane Küche ist in Hamburg sehr beliebt und die gute Sitte, Brot mit Olivenöl und Salz zu reichen, ist aufgefallen. Aber auch, dass Nudeln in Hamburg teigig serviert werden. Im gehobenen Hotelrestaurant, beim Fernsehkoch, im Sternerestaurant. Überall? Weiß ich nicht, aber auffällig war das schon. Mögen die Hamburger das so?

Mit Marc Aurel am Whirlpool

Kunstlederwhirlpool
Kunstlederwhirlpool: „dank seiner fortschrittlichen Technik Entspannung und Spaß auf Knopfdruck“, (c) Lynxblox 03/2013

In Berlin müssen sie schon wieder frieren, aber hier ist so ein voll kitschiger Vorfrühlingstag, es ist sonnig und mild, der warme Südwind weht. Der Tag, um den Nachmittag im Straßencafé zuzubringen, nur noch mit den Augen flanierend. Oder eine erste Fahrradrunde zum See zu drehen. In der noch winterfeuchten Wiese liegen und lesen.

Vor einer Weile habe ich mir so einen E-Book-Reader gekauft, ein schlichtes Teil ganz ohne Schnickschnack, Touchscreen und Wlan. Nur zum Lesen. Dafür passt, wenn man will, eine ganz Bibliothek der Weltliteratur drauf, auf ein Gerät mit der Fläche von eineinhalb Reclambändchen „Peer Gynt“ beispielsweise und auch nicht dicker. Und vor ein paar Tagen gab’s noch ein Solarladegerät dazu, halb so groß wie eine Zigarettenschachtel. Damit lässt sich der Reader beladen und der Hosentaschencomputer, mit dem man auch telefonieren kann. Jetzt kann ich also tagelang, wochenlang am See liegen und lesen, wie wär’s mit Marc Aurel, oder durch die Berge wandern und mich nicht mehr verlaufen. Schade nur dass das Solargerät noch keine Photosynthese betreiben und rasch ein paar Tomaten oder Trauben wachsen lassen kann, für den kleinen Hunger zwischendurch.

Lege beiseite, was dich zerstreut, die Bücher und alles, was hier zu nichts führt; des Fleischlichen achte gering wie einer, der bald sterben muß! (1)

Mein Chef schickt mich heute boshafterweise auf die Haus- und Gartenmesse. In stickigen Messehallen gibt es viel älteres Publikum, das sich mäßig für Solardächer und Pelletheizungen interessiert, dafür umso mehr für die Schaumetzgerküche mit angeschlossenem Wurstladen, wo es ganz echte Wurst zu kaufen gibt wie nirgendwo sonst. Außerdem gibt es Infrarotsaunakabinen, Aluminiumgartengitterzäune, Natursteinmülltonnenhäuser, Balkongeländergrills und viele weitere echt brauchbare Sachen. Ganz am Ende der Verwertungskette steht der Komposter aus Recyclingkunststoff. Weiterlesen „Mit Marc Aurel am Whirlpool“