Kornblumenlese

Vor einem Jahr hat Lynx beanstandet, dass Poggenburg bei den blauen Kobolden der AfD nicht recht greifbar ist und ihn als Schleimer bezeichnet. Das hat der damals nicht auf sich sitzen lassen, zwei Monate später gab er dann den eingebildeten Türkenbezwinger, damit war es vorbei mit der Parteikarriere. Seitdem hat er offenbar gebrütet, wie er seiner Heldenbestimmung neuen Rückenwind verleihen könnte. Und war ausgerechnet beim Kornblumenpflücken. So einfach scheint das noch zu sein: nimm die Rezepte, die schon vor 120 Jahren falsch waren (und letztlich in zwei Kriegskatastrophen geführt haben), versammle ältere Männer um dich und ab mit der Marie? Das „intransigente Justamentnicht“ soll beim „Asyl deutscher Patrioten“ (AdP) jetzt zur Parteidoktrin erhoben werden. Die Kornblume ist das Emblem, „soziale, nationale, solidarische Heimatpartei“ die Selbstzuschreibung. Deutlicher kann man sich mit der NPD nicht gemein machen, beim Verfassungsschutz wird er sich damit keine Freunde machen. Auch zum wölfischen Wesen als Markenkern hat er sich bei seinem Auftritt im „Heidekrug“ bekannt: er und seine Kameraden werden sich den Erfolg, der ihnen zusteht, holen, sagte er da. Ganz das Raubtier. Und seit wann steht einem Erfolg einfach so zu – ist Erfolg eine Art bedingungsloses Grundeinkommen bei Faschisten?

Da muss sich Höcke bald entscheiden: „heute lautet die Frage Schaf oder Wolf. Und ich, liebe Freunde, meine hier, wir entscheiden uns in dieser Frage: Wolf.“, sagte er beim Kyffhäusertreffen 2018 in schlechtester Goebbels-Manier. Wie lange der Wolf es in der AfD noch aushält, wo man doch jetzt eher dazu neigt, zu den Schafen zu gehören, weil das verlässlicheres Futter sprich Diäten und sonstige staatliche Zuwendungen, z.B. für Parteistiftungen, abwirft? Aber Schafsein und Faschistsein, das schließt sich doch einfach aus, oder nicht? Erfreulich aber, dass Höcke jetzt zwischen allen Stühlen sitzt, weil Poggenburg schneller war…

Eine große Genugtuung für Lynx aber ist, dass Faschisten alle keine Ahnung von Ökologie haben. Die Kornblume als Ackerunkraut ist ja ganz hübsch. Und dem Laien, der in der freien Feldflur lustwandelt, kann sie anzeigen, wo Biolandwirte wirtschaften, wo auf Herbizideinsatz verzichtet wird. Wunderbar farbige Einsprengsel, erst recht zusammen mit rotem Klatschmohn – hach. Doch was wäre, wenn wir eine Kornblumen-Monokultur hätten? Ich fürchte, dann würden wir alle verhungern, denn von deren Samen wird man einfach nicht satt. Also betrachten wir Korn-und Mohnblumen weiterhin als Merkmale von funktionierender Biodiversität. Auch Männer jenseits der 50 brauchen ihr Biotop, genauso wie Instagram-Influencer*innen von zarten 17 Jahren. Je differenzierter ein Ökosystem ist, je größer seine Biodiversität, desto besser ist es gegen Schicksalsschläge oder sonstige Unbilden gewappnet. Monokulturen, egal welcher Couleur, sind auf Dauer sehr anfällig. Ach ja, und Wölfe verhungern, wenn es keine Schafe mehr gibt. Auch das so eine Sache: es muss immer mehr Schafe als Wölfe geben, damit die Ökologie der Wölfe funktioniert. Einfach mal drüber nachdenken die Herren!

(Oder impliziert das, dass es in der Demokratie nie eine Wolfsherrschaft geben kann? Und weil es, aus Faschistensicht die Wolfsherrschaft doch unbedingt braucht, muss folglich… – q.e.d.)

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Zündler

Neulich meinte ich ja, die Rechten würden ihr Denken und ihre Absichten verschleiern, bewusst unklar reden, damit man ihrer nicht habhaft werden kann. Stimmt so nicht ganz. Manchmal muss man sich mühsam durch den Schwulst ihrer Schreibe arbeiten, bis man dann an die Stellen vordringt, wo es aus ihnen herausbricht. Beispielhaft, weil höchst aktuell: Götz Kubitscheks Rückblick auf 2018, ein Blogbeitrag in der Sezession vom 01.01.2019 (Hervorhebungen Lynx):

[…]viele Gespräche mit AfD-Politkern, mit den Protagonisten von örtlichen und überregionalen Protestbewegungen, mit bewährten und möglichen Autoren, mit Wissenschaftlern, die sich um die neue AfD-Stiftung zu sammeln beginnen, mit Verleger-Kollegen, mit Blog-Betreibern, mit Intellektuellen aus den anderen Lagern[…] Unsere Leitfragen sind in solchen Gesprächen stets dieselben: Ist der Ernstfall (also der Verteidigungsfall der eigenen Kultur) in Deutschland ausgeschlossen? Wenn nicht: Wann, wenn nicht jetzt, wäre eine resolute und konsequente Reaktion angemessen? Und zuletzt: Wie kann es gelingen, die für einen „Aufstand für das Eigene“ notwendige Energie zu wecken und zu bündeln? […]
Darf ich die Gespräche zusammenfassen? Wir suchten nach einer Antwort, fanden aber keine. Die Begriffsfindungspräzision, die Erklärungsschärfe, das Auffindungsnetz – unser Milieu (im weitesten Sinne) hat alles, kann alles, weiß alles, um Kampagnen gegen die Schwätzer, Lügner, Lückner und Deppen der Gegenseite zu fahren; aber hat es einen Entwurf von effektivem, entschlossenem, aufräumendem Regierungshandeln, eine Vorstellung vom Härtegrad des Durchgriffs?

Nahezu zeitgleich mit der Freischaltung von Kubitscheks Beitrag hat in Bottrop und Essen ein Mercedesfahrer versucht, Ausländer totzufahren. Nach dem, was bisher von der Polizei zu hören ist, seine Interpretation einer resoluten und konsequenten Reaktion. Ob die Polizei im Zuge der Ermittlungen seine Browser-Chronik durchforstet? Die Beiträge der Sezession sind regelmäßig durchsetzt mit solchen Aufforderungen zur Selbstermächtigung. Dort sitzen die Zündler (unter anderem). Auch in Amberg ist das jetzt zu beobachten, nachdem dort vor  Silvester junge männliche und sehr besoffene Asylbewerber unkontrolliert um sich geschlagen haben, was zu einigen Verletzten geführt hat. Angeblich patrouillieren dort jetzt „Bürgerwehren“. Es ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn man behauptet, ihre Rechtfertigung sei der Verteidigungsfall der eigenen Kultur.

Nicht nur, dass Kubitschek hier klar und deutlich redet, nein, er belegt auch die These, dass es ihm und Seinesgleichen darum geht, das Primat des Rechts durch das Primat der Politik zu ersetzen – mithin: gegen die Verfassung zu agieren, die verfassungsmäßig geschützten Freiheitsrechte jedes einzelnen Bürgers auszuhebeln und durch ein aufräumendes Regierungshandeln zu ersetzen. Oder in einem Aufstand das Gewaltmonopol des Staates zu attackieren. Freilich werden sie jetzt einwenden, es ginge nur um einen „Aufstand“ an der Wahlurne, dort werde man sich die rechtliche Legitimation abholen. Ändert aber nichts: so lange die AfD und die Neue Rechte die Schutzrechte der Verfassung nicht akzeptieren und sie durch das Recht des Stärkeren oder der politischen Mehrheit zu ersetzen suchen, mithin das Primat der Politik über das Recht durchsetzen wollen, so lange wenden sie sich gegen das Grundgesetz. Hier darf man, als unbescholtener Bürger und Verfassungspatriot, eine resolute Reaktion des Staates erwarten.

Einstreu im Unterholz #2: Wölfe

Unser Staat wird dieses Jahr 70 Jahre alt – erreicht also das Alter, in dem wir künftig vermutlich in Rente gehen werden. Soll er nun auch in Rente gehen? Kommt er ins Alter zunehmender Gebrechlichkeit, wird müde, verletzlich, wehrlos? Es gibt ja Anzeichen dafür, dass es nicht wenige Leute gibt, die sich warmlaufen, um ihn auseinanderzunehmen. Die bevorstehenden Europawahlen und mehr noch die Landtagswahlen in Ostdeutschland werden uns einen Pegelstand melden, wie weit ihm das Wasser schon bis zum Hals steht. Biologistische Analogien sind nicht unproblematisch, aber da sich die Rechten ja selber als „Wölfe“ sehen (bis in die „Wolfsschanze“ hinein), erscheint es legitim, sie hier als die Beutegreifer zu benennen, die sich auf kränkelndes oder altersschwaches Wild spezialisiert haben und es so lange hetzen, bis es erschöpft zusammenbricht. Dann müssen sie nur noch zubeißen.

Die USA als Demokratie sind so gesehen ein Greis, über 200 Jahre alt. Was ein echter Ami ist, der gibt nicht so schnell auf. Aber jetzt hat David Brooks in der New York Times das Jahr der Wölfe ausgerufen, das „Jahr, in dem wilde und bislang unvorstellbare Dinge geschehen könnten“. (2019: The year of the wolves) Es geht um die Frage, wie Trump sich in seinem Untergang verhalten wird, hauptsächlich aber: wie werden sich die Politiker, die politische Klasse verhalten: werden sie sich mehr dem Staat verpflichtet fühlen (und ihre Karrieren und Wiederwahlen auf’s Spiel setzen) oder werden sie vorrangig ihrer Partei, sprich ihrem Rudel, dienen? Loyalität zur Verfassung oder Partei/Politik über dem Wohl der Nation? Recht vor Politik oder Politik vor Recht?

Der gleichen Frage widmet sich der Soziologe Armin Nassehi in einem Beitrag der Südd. Zeitung (Langsamkeit, SZ Nr. 300/2018, S. 5), eben anlässlich des 70. Geburtstags des Grundgesetzes. Weil Deutschland (in der Weimarer Republik) die Erfahrung gemacht hat, dass die Demokratie mittels demokratischer Prozesse (Wahlen) ausgehebelt werden kann, wurde dem Grundgesetz ein klarer Kompass eingebaut: Recht geht vor Politik. Die gewünschte differenzierte und pluralistische Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn sie von einem rechtlichen Rahmen, der für alle gleichermaßen gilt, vor dem Zugriff, ja Übergriff der Politik geschützt wird. Bislang hat das funktioniert, auch in den USA, wo die Gerichte in der Vergangenheit ein sehr großes Ansehen genossen haben und der Politik bekanntermaßen häufig in die Arme gefallen sind.

Faschisten und Populisten gefällt das nicht, weshalb sie, sind sie an der Macht, als erstes die (obersten) Gerichte zu schwächen versuchen: das Primat des Rechts soll zugunsten dessen der Politik gebrochen werden. Nassehi führt als Kronzeugen den bei den Rechten „Vordenkern“ sehr beliebten Carl Schmitt an, einen Verächter des Parlamentarismus: Die Schwäche der Demokratie sei es, die eigenen Feinde an die Macht zu bringen, weil der Rechtsstaat auch seine Feinde schütze, meinte der vorausschauend schon 1926. Wie das funktioniert, kann man aktuell in Brasilien in Echtzeit mitverfolgen. Und folgerichtig trachten erfolgreiche Extremisten umgehend danach, das Primat des Politischen vor dem Recht zu verankern, denn nur so können sie ihre Macht sichern. Aber Brooks weist ja daraufhin: auch der stinknormale demokratische Politiker ist nicht davor gefeit, aus Eigennutz die staatliche Integrität zu gefährden. Darauf sollten wir vermehr achten.

Die Wölfe sind in Deutschland seit einigen Jahren wieder heimisch geworden, pflanzen sich erfolgreich fort, immer neue Rudel entstehen. Schwerpunkt ihres Lebensraums ist Ostdeutschland. Das gilt für die Tierart Wolf wie für die metaphorischen Wölfe der rechten Szene. Lynx ist bekanntermaßen ein großer Skeptiker in Bezug auf Wölfe und alles Wölfische in der Gesellschaft. Von Naturschützern und Ökologen werden sie geschätzt, weil sie in der Lage sind, durch ihr Beuteverhalten in relativ kurzer Zeit ganze Ökosysteme in einen naturnahen Zustand zurückzuversetzen (sic!), gerade in den USA ist das über lange Zeit beobachtet worden. Ob das auch bei uns auf Dauer gut geht? Was die Tierart angeht, kann man es auf einen Versuch ankommen lassen, meinetwegen. Was die politischen „Wölfe“ angeht: mit Sicherheit nicht.

Ein besonders erfolgreiches politisches Wolfsrudel hat sich in Schnellroda in Sachsen-Anhalt angesiedelt, rund um das Führerpaar Kubitschek/Kositza (Lynx nennt sie bei sich die Kubitschles). Dieses Rudel bereitet sich derzeit vor auf einen besonders großen Beutezug in diesem Jahr, die Landtagswahlen. Da werden gerade die Kräfte gebündelt und die Aufgaben verteilt. Man wird da genau hinsehen müssen. Denn die Kubitschles sind darauf spezialisiert, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, sich zu verkleiden, unklar zu reden, so dass man sie nicht dingfest machen kann. Sie kaschieren ihr Wolfsein nahezu perfekt (warum muss ich da an Rotkäppchen denken?) und packen alles immer unter einen wahnsinnig philosophisch tönenden Überbau. Besonders beliebt ist bei ihnen Heidegger. Offenbar vermittelt sein Denken ihnen, wie sie ihr einfaches Sein als Dasein in ein bedeutsames Sosein überführen. Dieses Sosein heißt bei ihnen gerne Deutschtum. Das Deutschtum ist sozusagen das Sosein des Deutschseins, was ein bloßes Sein wäre. Und weil sie als Wölfe denken, die für das Rudel ein Revier beanspruchen, sind sie der Meinung, dass das Deutschtum der „ethnokulturelle“ Rahmen für unsere Nation sei (Martin Sellner, Sezession 20.12.2018) – Da ist sie, die Tarnkappe des Beutegreifers: ethnokulturell. Sie suggerieren, das sage alles und nichts, aber ganz bestimmt nicht irgendetwas mit Rasse oder so. Sie reden auch viel von Pluralismus und Meinungsfreiheit, meinen aber damit immer die Rechte der sog. Mehrheit, von der sie meinen, sie bildeten sie mit einer 1%-Bewegung ab: „Es ist an der Zeit, dass die Stimme des Volkes wieder Gehör findet.“. Unfreiwillig geben sie damit klar zu erkennen, dass ihnen Minderheitenrechte (von denen sie selber sehr profitieren und als 1%-Truppe kokettieren) wenig oder nichts gelten – Carl Schmitt lässt grüßen.

Dies ist das Denken des Primats der Politik vor dem Recht: das Sosein des Deutschtums beansprucht die gültige Definition des Deutschseins in dieser Gesellschaft. Und reflektiert gar nicht darüber, dass man, im Rahmen des Grundgesetzes, sein Deutschsein auch ganz anders definieren kann – womöglich ganz ohne historisch gewachsenen ethnokulturellen Hintergrund? Sie stellen sich also auf die Stufe von religiösen Eiferern, Ayatollahs und geben klar zu erkennen, dass sie Differenz nicht aushalten können oder wollen. Wölfe sind Wölfe und bleiben Wölfe, egal wie und was sie säuseln.

Differenz, Diversität ist es, was dieses Gesellschaft groß und stark gemacht hat. Noch ist sie es. Das ist die politische Arbeit für 2019: Recht vor Politik, auf allen Ebenen. Stärken wir dem Grundgesetz den Rücken, mit unseren bescheidenen Mitteln.

Bildnachweis: Lübecker Nachrichten, verändert

Mantra #6

Der Nationalismus ist ein Sprudel, in dem jeder andere Gedanke versintert. (Karl Kraus)

Neulich wurde mir geraten, Karl Kraus zu lesen. Ich hatte mich in einem kleinen Schlagabtausch mit Kameraden auf rechts für solide und bezahlte Pressearbeit ausgesprochen, also pro „Lügenpresse“. Da kamen sie mir mit Karl Kraus, weil der so schön gegen Journalisten gewettert und kaum ein gutes Haar an ihnen gelassen hat. In Einzelfällen ja durchaus zurecht. Aber in der Summe? In der Summe war Kraus ein Mensch mit übergroßem Ego und ausufernder Misanthropie, seinem späteren österreichischen Kollegen Thomas Bernhard nicht unähnlich. Überaus produktiv, vor allem im Hervorbringen von teils brillanten Aphorismen. Aber hauptsächlich sprach- und selbstverliebt. Und etwas besessen von „Reinheit“, im Denken, im Sprechen, von fast jakobinischer Radikalität mit einem gehörigen Schuss Antiliberalismus zuweilen. Also eine Menge Gründe, warum Lynx einen Bogen um ihn macht, so etwas mag er nicht, und sei es noch so – großartig? Die Rechten halten ihn wahrscheinlich wegen seiner griffigen Verbalattacken für einen Vorkämpfer der „Meinungsfreiheit“, wie sie sie verstehen, und gegen „verordnete Sprache“ (pc).

Jedenfalls erforderte die Aufforderung zur Kraus-Lektüre eine knappe Replik. Und wie das mit Aphoristikern so ist: etwas Treffendes findet sich immer. Allerdings finde ich das Bild vom Nationalismus als „Sprudel“ wirklich wundervoll – ließe sich dieses zum Überschäumen neigende Phänomen, das gerade wieder erheblichen Druck entwickelt, treffender beschreiben? Und dann, ganz nebenbei, wird auf das Phänomen natürlich kohlensäurehaltigen Wassers verwiesen, das gelösten Kalk mitführt, der sich, bei Kontakt mit der Umgebungsluft, ablagert, Sinterbildungen hervorbringt (die sogar recht malerisch sein können, wie das Bild zeigt). Quasi ein zwangsläufiger, ganz natürlicher Zusammenhang. Und begegnet uns diese geistige Erstarrung nicht ständig bei (versuchten) Diskussionen mit Nationalisten und anderen Neuen Rechten? Dieses ewige „sprudelnd“ um sich selber Kreisen, das zu immer neuen verhärtenden Ablagerungen führt.

Kraus’ Aphorismus zum Nationalismus wurde wegen seiner feinen Spitze vom Duden geadelt und in den Zitatenschatz zu diesem Stichwort aufgenommen. Dort findet sich auch ein Satz von Theodor Heuss, der uns in die Gründungszeit unserer Republik zurückführt und uns darauf hinweist, warum unsere Verfassung so formuliert wurde, wie sie geschrieben steht:

Jedes Volk hat die naive Auffassung, Gottes bester Einfall zu sein.

Buschfunk 0.0

Wir wissen, weil wir nicht wissen. So in etwa hat sich Frauke Petry geäußert in einer Gesprächsrunde, zu der die Süddeutsche Zeitung in Dresden eingeladen hatte. Geladen waren prominente und engagierte Alt- und Neudresdner verschiedener politischer Couleur und es sollte darum gehen, warum die „Brüche der Gesellschaft“ gerade in Dresden so offen zutage treten.

Lynx liest so was beim Frühstück, seit Jahrzehnten. Neulich wurde ihm von einem Kontrahenten aus dem Dunstkreis von Kubitschles Sezession vorgeworfen, er argumentiere „frei von der Leber weg“. Nun, die Leber gilt als Hauptwohnsitz der Gesundheit von Körper und Geist, seit Urzeiten. Nicht umsonst hat Zeus dem Frevler Prometheus zur Strafe den Adler geschickt, der ihm tagtäglich die Leber heraushackte. In der Leber sitzt der wahrhaft gesunde Menschenverstand, das ist den Göttern, den echten und selbsternannten ein Dorn im Auge, also raus damit. Ist die Leber perdu, wird es mit dem Rest auch nix mehr. Also auf Lebergesundheit achten, was solchermaßen aus dem Bauch kommt, kann nicht ganz verkehrt sein. Doch was hat das mit Dresden zu tun?

Wie gesagt, Lynx liest und verdaut das Gelesene, kaut es mal gut durch, schluckt anderes schnell hinunter und hofft, es gehe ohne Bauchgrimmen ab und würde die Leber nicht vergiften. Im Dresden-Gespräch nun tauchte ein Bissen auf, der von irgendwie ledriger Beschaffenheit war und auf dem etwas herumzukauen ist. Frau Petry hat ihn serviert und er geht so:

„Buschfunk 0.0“ weiterlesen

Wurmschwanz

Das Kubitschle war vergangenen Samstag in Chemnitz dabei, beim „Trauermarsch“ der Profiteure versteht sich. Und hat eine ganz schlaue Erkenntnis mitgebracht. Es ist nicht gut für die „Bewegung“, wenn die AfD-Funktionäre Gesicht zeigen oder die „Partei“ gar als Organisator von Großkundgebungen auftritt. Er rät zur Schleimertaktik: sich möglichst gesichtslos unters Volk mischen, die propagandistische Drecksarbeit anderen überlassen und dann die Stimmung als Stimmen einfangen. Ja keine schlechten Bilder! Nachzulesen bei Jürgen Fritz, dem Gewährsmann für die Verbreitung faschistischer Umtriebe aus erster Hand.

Lynx denkt: solch schleimig-schneckiges Gebaren. Wurmschwanz. Also nicht selber Verantwortung übernehmen und Gesicht zeigen. Sondern quasi „privat“, unterm Tarnumhang bei den Faschisten mitmarschieren. So viel zur „bürgerlichen Gesinnung“ in der AfD und ihrem Umfeld. Halten die die Leute wirklich für so blöd? Der Bürger zeichnet sich eigentlich dadurch aus, dass er Gesicht zeigt. Die AfD hat in diesem Sinne „fertig“, endgültig. Meuthen versucht sich zwar immer noch in Rechtfertigungen, mit den üblichen beigepackten Verschwörungstheorien, aber dem hört eh keiner mehr zu.

Nachtrag 04.09.18: Im aktuellen Blogbeitrag wendet JF das Prinzip „Tarnumhang“ sofort an. Das Headerbild zeigt den „Führer“ Björn „das Schandmal“ Höcke und seine Gefolgschaft letzten Samstag in Chemnitz. Hinter dem rechtsgescheitelten Höcke (an wen erinnert das nur?), der seltsam leer in Richtung Kamera blickt, reckt ein halb verdeckter Mann die Kamera hoch. Wüsste man nicht, dass es Lutz „Pegida“ Bachmann ist, würde man ihn nicht unbedingt erkennen. Bilderretusche also, ohne sich des unmittelbaren Retuschierens schuldig zu machen. Immer schön in der Grauzone bleiben und ja keine schlechten Bilder! Aber zu spät: wir haben euch längst entdeckt.

Das Urteil der Alice

Alice Weidel kennt sich ja mit Mädchen aus, insbesondere mit Kopftuchmädchen und da wiederum ganz genau mit den „Taugenichtsen“ unter ihnen. Deshalb hält Lynx sie für besonders qualifiziert, die „Taugenichtigste“ zu wählen. Nach klassischem Muster gibt es drei Kandidatinnen. Und natürlich sind es nicht nur drei Mädchen, sondern, wie beim alten Paris, drei Göttinnen, unter denen sie auswählen muss:

So liebe Alice, wer ist denn nun dein Herzblatt?


Bildquellen:
Deutsche FotothekMittelbayerische ZeitungIstorie pe scurt

Bürgerkrieg als erweiterter Suizid?

Neues vom Phänomen der Todessehnucht unter Faschisten aus der AfD. Wegen der eigenen Großartigkeit geht ein stiller Abgang natürlich gar nicht, das ist ja ungute Tradition bei denen. Auch sonst wird es wirr und wirrer. Nachzulesen bei Telepolis und bei Kontext.
Da bleibt einem die Spucke weg. Würde man deren Jargon verwenden, müsste man sich fragen, welches Natterngezücht wir uns da herangezogen haben. Zitat gefällig?

Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millione Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Hauptsache es geht los. Insbesondere würde ich laut lachen, wenn sowas auf der Gegendemo passieren würde. Tote, Verkrüppelte. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. SIEG HEIL!

Marcel Grauf

Grauf, der hier nicht als Herr anzusprechen ist, arbeitet für die AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg. (Die AfD versucht diese Äußerungen einmal mehr als „Jugendsünden“ abzutun. Das „Jüngelchen“ war da schon jenseits der dreißig. Wann endet die Kindheit bei den Faschisten?)

 

Zweierlei Maß?

Steilvorlagen für den Empörungsbedarf des Mobs: schwarzer Flüchtling ersticht am hellichten Tag in der Innenstadt eigenes Kind und dessen Mutter; junger Afghane randaliert nächtens so hemmungslos, dass er in Notwehr erschossen wird; ein Kampfhund beißt seine beiden Halter zu Tode, kurz darauf tötet ein anderer Kampfhund den Säugling seiner Halterfamilie.

So weit, so schlimm, so grauenhaft banal alltäglich – nicht erst seit heute, wohlgemerkt. Irritierend sind allein die Gegenstände der Empörung, die natürlich bei beiden Sachverhalten sofort auf Knopfdruck abgesondert wird.

Bei den Rechten wurden gewalttätige Migranten vor Kurzem ja noch gar nicht als Menschen angesprochen, das hat sich immerhin verändert: man ist vorsichtiger geworden, könnte ja sonst teuer werden. Jetzt drechselt man neue Bezeichnungen: „kulturfremde Immigranten“. Barbaren nannten das die Römer und das ist wohl damit gemeint, man ist aber, wie gesagt, vorsichtig geworden, befleißigt sich vorgetäuschter „political correctness“. Jedenfalls schäumt der Mob: solche Leute müssen weg. Genaueres will man gar nicht wissen.

Nicht weg allerdings müssen gewalttätige Hunde. Die brauchen Schutz und Psychotherapie. Das ist durch eine hunderttausendfach unterzeichnete Petition von „Tierschützern“ belegt. Diese Hunde seien Opfer und verdienten jedes Mitgefühl. Leute, die etwas von der Sache verstehen, wundern sich, wie Einzelschicksale von Tieren den Menschen zu Herzen gehen, während sie genüsslich ihr 99-Cent-Schnitzel vom Discounter schmatzen.

Und Lynx? Kriegt Bilder nicht aus dem Kopf von Männern in langen Ledermänteln, umgeben von Deutschen Schäferhunden, vor deutscher Berglandschaft, abgebildet während weiter im besetzten Osten die Schornsteine der Vernichtungslager rauchen. Wir nennen uns Kulturvolk und befleißigen uns zuweilen eigenartiger Maßstäbe, nach denen wir unsere Kultiviertheit bemessen, um mich vorsichtig auszudrücken.

Ach ja: mit Barbaren meinten die Römer seinerzeit uns.

Watt denn nu?

Bei den blauen Kobolden geht es drunter und drüber. Eigentlich wollen sie ja nichts anderes, als dass man sie wahrnimmt. Wahr nimmt? Da fangen die Probleme schon an. Meist quatschen sie sich einfach um den – Verstand? Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme.

Beim letzten Mal konnte ich Poggenburg nicht finden – und jetzt: kurz mal den Kopf rausgesteckt und Rübe ab, zumindest vorläufig. Wie würde Mama Bavaria sagen: ach der kleine André: ist halt nicht der Hellste und verläuft sich gern mal. Zuvor hat schon Besen-Meier den Abgang gemacht und muss sich nun wohl um juristische Dinge in eigener Sache kümmern anstatt andere Menschen sachgrundlos zu verunglimpfen. In beiden Fällen geht es um Rassismus-Vorwürfe und immer wehrt die AfD ab, behauptet, Rassismus sei nicht ihre Sache, habe bei ihr keinen Platz. Ist das so?

Wenn Lichtkrieger Jürgen Fritz mal nicht mit Facebook-Sperrungen beschäftigt ist und selber mühsam Satiren fummelt, die man daran erkennt, dass er drunterschreibt, dies sei eine Satire, dann räumt er „Gastautoren“ wertvollen Platz auf seinem Blog ein. Seit einer Weile gehört dazu auch Jörg Meuthen, auf verzweifelter Suche nach Gehör. Aktuell ist da von ihm sein in der „Welt“ nicht veröffentlichter offener Brief zu lesen, eine Entgegnung auf Cigdem Toprak. Darin formuliert er in seiner „Funktion als Vorsitzender der AfD“ einige Dinge, die so gar nicht passen wollen zum sonstigen Jargon. Etwas gönnerhaft gesteht er Toprak zu, dass sie sich als Deutsche sehen dürfe, nicht nur als „Auch-Deutsche“, denn sie schreibe ja schließlich „engagierte Zeilen in tadellosem Deutsch“. Aber immerhin: er scheint klar machen zu wollen, dass Deutsch-Sein nicht eine Frage der Ethnie, sondern der bürgerlichen Nationalität ist: das Grundgesetz eint uns, nicht die (eingebildete) ethnische Homogenität eines „Volkskörpers“ oder wie man den Schmarrn sonst bezeichnet. Er kann es allerdings dann nicht lassen, wieder auf Deniz Yücel herumzuhacken, an dessen „deutscher Identität“ er Zweifel hat, weil der es angeblich gut findet, dass die ethnische Homogenität des Volkskörpers schwindet. Ist „richtiges“ Deutsch-Sein also doch mehr als eine bürgerliche Nationalität? Meuthen windet sich wie eh und je. Er erinnert an die Schlange, die sich in ihr Hinterteil verbissen hat und daran erstickt.

Poggenburg ist bekennendes Hinterteil, er ist da ganz klar. Er sieht sich natürlich nicht als Hinterteil, sondern als Speerspitze einer teutonischen Reconquista, die „die Türken“ hinter den Bosporus zurücktreiben will. Gauland ist ebenfalls klar und bei Poggenburg: „Die Türken gehören nicht zu uns“. Hoppala Gauland: was wird Meuthen dazu sagen? Natürlich nix. Aber der ehemalige Petry-Berater, dann Meuthen-Sprecher und neuerdings persönliche Referent von Gauland, „Fähnchen im Wind“ Michael Klonovsky springt seinem Chef schnell bei, auch er als „Gastautor“ bei Fritz: Mit spitzfindigem Sophismus versucht er darzulegen, dass Gauland mit „die Türken“ ganz klar keinesfalls die Türken gemeint hat, sondern lediglich die Türken der Türkei oder so ähnlich. (Die Veröffentlichung dieses Beitrags hat Fritz im Übrigen die nächste FB-Sperre eingebracht, womit er sich jetzt wieder brüsten kann als verfolgte Unschuld). Ist es nun eigenartig oder perfide, dass man Sachverhalte zugleich einfach und doch nicht einfach erscheinen lässt, um dann wortreiche Erklärungsgirlanden spinnen zu können, die wiederum alles und nichts sagen? Das Geschäft von Populisten halt: schlüpfrige Schleimer, die man nicht zu fassen kriegt. Trotzdem steht die Frage im Raum: Watt denn nu?

Bei schlüpfrigen Schleimern fällt mir noch ein Kobold ein, den man zwar nicht würdigen aber einfach einreihen sollte: Roger Köppel, die schweizer Lichtgestalt der Selbstbespiegelung. Er hat dieser Tage den Übervater dieses ganzen Mummenschanzes, Steve Bannon, in die Schweiz geholt und versucht, sich als sein Höfling zu empfehlen. Interessanterweise ist David Berger mit seinem „privaten Blog“ (hihi) nahezu zeitgleich in die Schweiz übersiedelt, auf einen „extrem leistungsstarken Server außerhalb der EU“ – ein armer Flüchtling? Ob er wohl bald für Köppels „Weltwoche“ tätig wird oder schon ist?, dieser neuen Heimat für alle, die „überall rausgeflogen“ sind, wie Charlotte Theile in der Süddeutschen vom 08.03.18 über die Bannon-Veranstaltung schreibt. Ihr Beitrag endet mit dem beim Rausgehen aufgeschnappten Satz: „Noch mal würde ich mir das nicht anhören“. Irgendwann ist genug mit diesem Schmonz, man hält es auf Dauer nicht aus, dass einem immer nur der Kopf schwirrt von diesem dumpfen Zeug und all diesen Verschwörungstheorien. Frische Luft muss her. Also sperren wir die Kobolde jetzt wieder weg.

Bildrechte: Svet Karnevalu

1 %

Der ultrarechte Rattenfänger Jürgen Fritz rühmt sich dieser Tage, dass sein Blog jetzt über tausend Follower hat. Lynx‘ Gefolgschaft umfasst gerade mal ein Hundertstel davon, ein gutes Prozent. – He must be a total loser!

Nach der Logik der identitären „Ein-Prozent-Bewegung“ reicht es aus, ein Prozent der Bevölkerung zu erreichen, um als „Bürgerbewegung“ und „breite Lobby“ (1) wahrgenommen zu werden. Einer der Stichwortgeber ist das „Kubitschle“, der eingebildete Landgraf und heimatvertriebene Ex-Oberschwabe Götz Kubitschek, der die „Ein-Prozent“ zur veritablen NGO formieren will, zum „Greenpeace für Deutsche“ (2).

Lynx ist eine Ein-Prozent-Bewegung im trüben Umfeld der rechten Blogger. Frei nach deren Methodik (s. 1) versucht er zu tun, „was ansonsten leider niemand tun würde“ (1): er leistet Widerstand gegen gesellschaftszersetzende Einpeitscher, die längst nicht die Interessen einer übergroßen Mehrheit der Bevölkerung vertreten, auch wenn sie sich das gerne einbilden. Er wagt es, in einer alternativlos erscheinenden verschwörerischen Gedankenwelt „Alternativen zu suchen“ (1).

Die rechten Ultra-Jammerlappen stilisieren sich als Medien-Märtyrer und beklagen sich ständig und lauthals, dass man ihre Verbaläußerungen zensiert, die sie in Wahrheit ständig auf allen Kanälen herumposaunen. Sie selbst haben es aber nicht so gerne, wenn man sie in ihrer Blase stört. Meinungsfreiheit gilt nur für Gläubige. Deshalb hat man den Ein-Prozent-Lynx als Kommentator auch gesperrt, so hält man die 100%-Quote sauber (oder 1000 %?), womit der Beweis erbracht ist, dass man vollumfänglich recht hat. Woran erinnert das nur?

Aber wie gesagt, Lynx ist eine Ein-Prozent-Bewegung in der Welt der Blogs: er verlässt sich auf seine „grundsätzliche und graswurzelartige Lobbyarbeit“ (1) für die Interessen einer freiheitlichen Gesellschaft. Deshalb folgt er überwiegend auch anderen Ein-Prozent-Blogs. Das ist seine Welt der Vielen und Freidenker.

Quellen:
(1) www.einprozent.de
(2) taz, 22.01.16: NGO für Rechte in Deutschland

10 Blaue Kobolde

Kobolde toben in meinem Kopf. Blaue Kobolde. Die müssen jetzt raus, bevor sie noch mehr Unfug treiben:

  • Alexander „nomen est omen“ Gauland (Landjunker mit dem Schicksal der späten Geburt, auf ewig heimatlos)
  • Alice „die biegsame“ Weide(l) (einmal Wall Street und zurück, gäbe gerne die peitschende Weide(l))
  • Beatrix „das Gespenst“ von Storch (verlogene „Agiprop“-Queen, geb. herzogliche Störchin zu und von dem Storch, lebte in Preußen um 1847 herum, ziemlich verblichen)
  • Björn „das Schandmal“ Höcke (wollte im Eichsfeld (sic!) schöner wohnen)
  • David „lost in webspace“ Berger (wird wohl für immer und ewig mit dem palästinensischen Goliath ringen und kein zweiter Mose werden)
  • Götz „das Kubitschle“ Kubitschek (in Oberschwaben haben wir keinen standesgemäßen herrschaftlichen Landsitz mehr für einen Parvenu)
  • Jens „der Blaue Besen“ Maier (wird niemals eine neue Kunstschule oder sonst was begründen)
  • Jörg „der mit den Wölfen heult“ Meut(h)en (ist kein Junker und wird auf einem entlegenen Außenposten enden)
  • Jürgen „Krieger des Lichts“ Fritz (hält Facebook für seinen Ponyhof und hortet in seinem trüben Oberstübchen den Ring des Nibelungen und den Stein der Weisen gleichermaßen)

Nur Poggenburg hält sich versteckt, der alte Schleimer.

Bildrechte: Moviebreak.de

Facebook baut um: Freizeitpark mit angeschlossener Mall

Der US-amerikanische Geograph Jared Diamond berichtet davon, dass die Trump-Regierung damit begonnen hat, fundamentalistische Gesinnung via Zensur im öffentlichen Bereich durchzusetzen. Der staatlichen Gesundheitsbehörde wurde eine Liste mit Begriffen vorgelegt, die künftig in Finanzierungsanträgen nicht mehr verwendet werden dürfen: gefährdet, diversity, Anspruch, faktengestützt, wissenschaftlich erwiesen. Eine überragende Wissenschaftsnation beraubt sich ihrer Früchte zuliebe religiöser Eiferer und ignoranter Hillbillies, die meinen, ein Recht darauf zu haben, dass ihre Sicht der Welt, nämlich dass sie eine Scheibe sei, zur offiziellen Weltsicht erklärt wird. – Fällt einem dazu noch etwas ein? Der Iran vielleicht?

Mark Zuckerberg ist etwas eingefallen: back to the roots! Vergesst die Schwachköpfe! Lasst uns feiern und quatschen! Zuckerberg will Facebook (FB) wieder persönlicher machen und den privaten Austausch der Nutzer wieder mehr in den Vordergrund rücken. Die Bedeutung von kommerziellen Seiten oder von Gruppen soll geringer werden. Zugleich sollen die kommerziellen Inhalte verstärkt danach ausgewertet werden, ob sie die Nutzer zu „bedeutungsvollen Interaktionen ermutigen“. Mit solchen Interaktionen sind m.E. keinesfalls politische Initiativen gemeint, sondern vorrangig Kaufsignale. Die Werbeflächen werden reduziert und zugleich verteuert: Verknappung gehört nun einmal zum Basiswissen erfolgreicher Kapitalisten.

Zuckerberg schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe: Er verbessert seine Möglichkeiten, FB aus dem Sturm um Fake-News und Zensur herauszunehmen, in dem er klarstellt, dass es primär um den privaten Austausch gehen soll. Meinungs- und Willensbildung wird nur insofern zugelassen bzw. gefördert, so weit sie mit den Unternehmenszielen von Facebook konform geht. Und er macht FB noch mehr zur Mall, die es meiner Ansicht nach dem Wesen nach ist. Besser: ein Freitzeitpark mit angeschlossener Mall. Das ist FB. Der parallel vollzogene Rückzug von Sheryl Sandberg aus dem Disney-Aufsichtsrat aus strategischen Gründen ist ein weiteres Indiz, dass es FB künftig v.a. um seichte Unterhaltung und Feel-Good-Momente geht. FB will kein öffentliches Medium sein, wo Nutzer ein Recht auf die Ausübung von Meinungsfreiheit einklagen können.

Letzteres versucht ja bekanntermaßen der grundbeleidigte ultrarechte Hetzblogger Jürgen Fritz aus Hamburg. Er hat vor einiger Zeit Klage gegen FB wg. mehrerer vorübergehender Sperrungen seines Accounts eingereicht. Gestern berichtete er nun triumphierend, dass das Landgericht Hamburg seine Klage zugelassen hat. Jetzt wittert er Morgenluft und das große Geld: sollte seine Musterklage erfolgreich sein, sieht er einen Dominoeffekt eintreten, der eine Geldlawine von zig Milliarden Dollar auslösen und Facebook zerstören wird. Träum‘ weiter.

Eigentlich ist es gut, dass es (womöglich) zu dieser juristischen Klärung kommt. Manche Leute müssen halt länger die Schulbank drücken oder brauchen ein wenig Nachhilfe. Bis dahin ist der clevere Zuckerberg längst weitergezogen, die Händel von gestern interessieren ihn nicht, es geht nur um das Geschäft von morgen. Er hat erklärt, dass er seit der Geburt seiner Kinder die Dinge etwas anders sieht: Er möchte „einige der Dinge, die im System passieren können“ besser in den Griff bekommen. Denn es sei ihm wichtig, dass seine Kinder einmal das Gefühl hätten, „dass das, was ihr Vater aufgebaut hat, gut für die Welt war.“ Und was ist besser als glücklich shoppende Menschen im Freizeitpark? Politische Eiferer werden da betrachtet wie, Verzeihung, versoffene Penner: sie stören nur, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen.

Quellen:
Jared Diamond: Die Erde ist rund! SZ Nr. 9 vom 12.01.2018
Handelsblatt/dpa: Zuckerberg degradiert Inhalte von Unternehmen und Medien, 12.01.2018

Sandkastenspiele und Brandbeschleuniger

Jetzt schäumen sie wieder, weil man ihnen das Lieblingsspielzeug weggenommen hat. Oder sie aus ihrer Stammkneipe hinausgeschmissen hat. Weil die amerikanische Mall, die sich Facebook (FB) nennt, keine müffelnden alten Männer mehr vor den Shops herumlungern lässt, die die Luft verpesten. Ja, zugegeben, es ist schwer geworden für das Lumpenproletariat der rechten Szene, weil der vermeintlich öffentliche Raum im Netz sich nicht als solcher entpuppt. An sich gibt es ihn ja, aber man muss ihn selbst gestalten und dann auf Leser hoffen. Viel zu mühsam. Rein in die Mall und herumgeblökt. Ist einfach und dort ist es kuschelig warm. Bis man vor die Tür gesetzt wird.

Jetzt hat es erneut David Berger, einen Oberstinker, erwischt. Sein Account wurde, zum wiederholten Male, für 30 Tage gesperrt, seine FB-Seite wohl komplett geschlossen. Diese hatte er auch als Publikationsmedium neben seinem WordPress-Blog benutzt. Sein alter Gefährte Jürgen Fritz jammert nun mit ihm herum und legt noch nach. Er sieht sich und Seinesgleichen im „Krieg“. Da kommt Zeug daher, das muss man aus dem Kontext reißen und fein säuberlich ausstellen:

Die einzige Möglichkeit, eine wirksame Gegenöffentlichkeit aufzubauen, ist über Facebook […] [Auf kleineren] Plattformen finden sich die Ausgestoßenen und sonstigen Außenseiter wieder, die dann unter sich kommunizieren können, was aber kaum oder gar keine Außenwirkung erzielt. Der Schlüssel ist Facebook. Das ist unser, des Volkes Medium. […] Und der Feind ist wie bei jedem Krieg bestrebt, den Heerführer – gibt es hier nicht -, sodann die Generäle und Offiziere auszuschalten. […] Daher wird er immer wieder versuchen, unseren Offizieren ihren digitalen Stimmbänder herauszuoperieren, um sie so auszuschalten.[…] Hier, bei diesem Medium, entscheidet sich die Schlacht um Deutschland und Europa. Sonst nirgends. Da nur hier Millionen von Menschen für uns erreichbar sind. Und daher darf dieses Schlachtfeld unter keinen Umständen dem Feind preisgegeben werden. Gewinnen wir die Schlacht um Facebook, wird der Feind diesen Krieg auf lange Sicht verlieren, denn die Wahrheit lässt sich auf Dauer dann nicht unterdrücken.

Die Offiziere der „Meinungsfreiheit (nach ihrem Geschmack)“ und der „Volksarmee“ (sic). Herr Fritz war wohl tatsächlich mal länger bei der Bundeswehr, vielleicht daher sein militärischer Habitus. Oder sollte uns das Angst einjagen? Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Als kritischer Kommentator muss Lynx jedenfalls zunehmend harte Kost einstecken, bis hin zu expliziten Morddrohungen. Nur weil er der Meinung ist, dass FB kein öffentlicher Raum, sondern eine Mall ist. Und das von Leuten, die die Meinungsfreiheit verteidigen wollen – geht’s noch?

Fritz hat neulich erneut angekündigt, gegen FB zu prozessieren, nichts Geringeres als ein Musterprozess soll es werden, mit Unterstützung eines Anwalts, der aktiv in der AfD von Regensburg unterwegs ist. Vielleicht nur heiße Luft. Aber soll er’s probieren, allemal interessant.

Die Zahl der Follower seines Blogs steigt langsam aber kontinuierlich. Das Grundrauschen in den Kommentaren ist bedenklich bis widerwärtig. Der Verfassungsschutz meinte neulich, rund 500 Neonazis seien abgetaucht. Geht es da also nur noch um Sandkastenspiele oder braut sich da etwas zusammen?

Facebook und andere soziale Netzwerke sollten jedenfalls klipp und klar machen, dass sie als Brandbeschleuniger nicht zur Verfügung stehen. Das ist kein Angriff auf die Meinungsfreiheit. Jeder kann herausposaunen, was er will, draußen auf der Straße oder auf seinem eigenen Blog. Und dann sehen, was passiert. Aber in der Mall muss ihn keiner dulden.


Quelle: Jürgen Fritz Blog, Wir befinden uns längst im Krieg und Facebook ist die entscheidende Schlacht, 10.12.2017

Bildrechte: Preiser Modellfiguren

Intransigentes Justamentnicht im Zeichen der Kornblume

Die Kornblume als politisches Symbol ist zurück. Die Kornblume, die sich FPÖ-Politiker gerne ans Revers heften, ist keineswegs die blaue Blume der Romantik, Symbol der Revolution von 1848 (H.C. Strache) oder die „Europablume“ (N. Hofer), sondern sie ist ein Abzeichen reaktionärer und rassistisch orientierter deutschnationaler Bewegungen des 19. Jh., wie der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer im österreichischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 einräumen musste.

Die „Alldeutsche Vereinigung“ des Georg von Schönerer trug sie im Parteilogo, sie kann als eine Vorläuferorganisation der Identitären Bewegung gesehen werden. „Die Kornblume war ganz klar ein Symbol für die antisemitische Schönerer-Bewegung und diente in den Dreißiger Jahren den [in Österreich vor dem „Anschluss“] illegalen Nazis als Erkennungszeichen.“ (Oliver Rathkolb, Universität Wien, Kurier, 12.06.2016) Hitler wurde durch Schönerer wesentlich geprägt, wie er in „Mein Kampf“ ausführlich darlegt. Schönerer legte den Grundstein für Hitlers Denken, er war sein „geistiger Vater“, schrieb Hannah Arendt 1955 in ihrem Werk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“. (a.a.O)
Bis in die jüngste Zeit wurde v.a. in Österreich mit der Kornblume symbolisch politische Gesinnung vertreten und genau heute vor einem Jahr gab es in Wien einen Aufschrei und handfeste Proteste gegen den „Kornblumenball“ des FPÖ-nahen „Kulturring Favoriten“, der zum wiederholten Male stattfand.

Jetzt allerdings will die FPÖ in die Regierung und hat erst einmal Kreide gefressen. Zur Eröffnungssitzung des neu gewählten Parlaments hefteten sich die FPÖ-Abgeordneten ein neutrales kreideweißes Edelweiß ans Revers. (Süddeutsche Zeitung, 17.11.2017, S. 8) Ob diese Camouflage etwas nützt?

Die Geschichte der Kornblume als politisches Symbol ist umfangreich und spannend, sie soll ein andermal vertieft werden. An dieser Stelle aber noch eine wertvolle Trouvaille aus der kleinen Recherche, die ein schönes Schlaglicht darauf wirft, dass wir zur Zeit sehr alte Debatten wieder durchfechten müssen. Geschichte ist eben nicht linear, sondern entwickelt sich in Kreisen, vielleicht in Spiralen:

Noch kein Staat konnte auf die Dauer bestehen, in dem die Radikalen zur führenden Rolle gelangten. Um auf die politische Führung eines ganzen Volkes Anspruch zu machen, dazu gehört doch noch mehr als starke Lungen, gewandte Zungen und jener physische Mut, den auch der nächstbeste Bauernbursche auf einer Kirchtagrauferei bekundet; dazu gehört praktische Erprobung, ernste, jahrelange erfolgreiche Arbeit, dazu gehört besonnene Überlegung, die den jeweiligen Verhältnissen die angewendeten Mittel anpaßt und durch vernünftige Beschränkung auf das Erreichbare ihr Ziel auch wirklich erreicht.

Was sehen wir dagegen bei den Radikalen? Das Häuflein von fünf Männern will auch den anderen hundertfünfzig Vertretern der großen deutschen Parteien die politische Haltung vorschreiben, ein Verhalten, das im Wesen auf Randalieren, Skandalmachen, auf ein intransigentes [kompromissloses] „Justamentnicht“ hinausläuft, und wenn die Hundertfünfzig vor den Fünf nicht ducken, dann wird geschimpft und geschmäht, dann werden die besten Männer des deutschen Volkes vor die radikale Feme gestellt und als Verräter in die Pfanne gehauen.

So lange die ausschließlich privilegierten Patentdeutschen sich nur mit den Antisemiten herumschimpften, konnten wir Anderen, wenn auch angewidert von dem wüsten Lärm, am Kampfplatz weilen, auf dem sich die Anhänger der weißen Nelke und der blauen Kornblume mit keineswegs wohlriechenden Geschoßen bewarfen. Doch seit Kurzem gehen die Ritter von der Kornblume gegen nur Alle los, verhängen sie den nationalen Bann gegen Alle, die über die richtige Methode der wirksamsten Vertretung der nationalen Interessen sich eine eigene Meinung zu hegen erlauben.

Wiedergabe einer Rede des bedeutenden konservativen tiroler Politikers Karl Grabmayr (1848 – 1923) bei einer „Versammlung der politischen Vereine“ in Meran (Südtirol) im April 1898, in der er sich gegen die Ziele und die Taktik der radikalnationalen Fraktion wandte. Grabmayr war damals Abgeordneter für die Großgrundbesitzer im österreichischen Abgeordnetenhaus. (Mährisches Tagblatt, 19.04.1898, Seite 2)