2020.096 | Fritillaria meleagris

Mein Garten misst 40 m², davon sind vielleicht 25 m² begehbar. Er hat x Ecken und Winkel und beheimatet zahllose Pflanzenarten. Jetzt habe ich Frühjahrsputz und dabei locker 10.000 Schritte gemacht. Netter Spaziergang in die Botanik, auch wenn mancher da aktuell vielleicht eher an Rundlauf im Gefängnishof denkt.

In einem Winkel traf ich die Schachbrettblume wieder, zu meiner Überraschung. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie die letzten beiden Jahre geblüht hätte und hatte sie fast vergessen. Jetzt stand sie da und blühte prächtiger denn je. Ob das an dem etwas verregneten Spätwinter liegt? In einem verbeulten, undichten Blecheimer habe ich ihr ein Kleinstbiotop eingerichtet, einen Mikrosumpf, der weitgehend sich selbst überlassen bleibt. Dort fristet sie ihr Exotendasein. Mein Exemplar stammt aus einem Blumengeschenk vor Jahren. Aber eigentlich ist sie eine selten gewordene Wildpflanze aus unseren Sümpfen und Mooren, von denen es ja auch immer weniger gibt. Sie ist giftig und deshalb sogar im Viehfutter unerwünscht. Hat also mit Zivilisation rein gar nichts am Hut und ist ein echter Wildfang. Insofern ist sie bei mir ganz gut aufgehoben. Und netterweise dankt sie es mir, dass ich sie in Ruhe lasse.

2020.043 | Architektur-Wolpertinger

Nachtrag 26.03.2020: In der heutigen Ausgabe der SZ (Nr. 72/2020, R3) wird das grüne Gebäude, das man da im Hintergrund sieht, besprochen. Es handele sich dabei um mutige und selbstbewusste Architektur. Die Architekten sagen, sie wollten anecken, „es anders machen“. Wichtig war ihnen besonders der „große Abschluss“ mit dem hohen oberen Geschoß und den großen Bogenfenstern. – Da fängt die Verlogenheit an: das ist nur Show. Hinter der großzügig auftrumpfenden Kathedralen-Geste verbergen sich zwei Geschoße, denn sonst hätte das den Investor Profit gekostet. Es handelt sich einfach um banale Investoren-Architektur.

Noch krasser ist allerdings der offenbar beschränkte Blickwinkel der Architekten: sie denken nur bis Oberkante Dachtraufe, dort endet für sie die Fassade. Was ihnen die mitplanenden Gebäudetechniker aufs Dach setzen, hat sie offenbar nicht interessiert oder es gab keinerlei Koordination in dieser Frage. Architekten mit eingeschränktem Berufsverständnis.

Das Ergebnis: ein Architektur-Wolpertinger mit einer OP-Kittel-grünen, überambitionierten Fassade, der von Installationen der Gebäudetechnik wie befallen erscheint, eklig-warzige Wucherungen. Darum dürfen offizielle Fotos dieses „Werks“ auch nur aus einem bestimmten Blickwinkel aufgenommen werden, sonst wird der ganze Fake offenbar. Ein wirklich würdeloser Tiefpunkt aktueller Münchner Architektur. Dies „anecken“ zu nennen, ist der Versuch, ein Versagen in einen Erfolg umzudeuten.