Rat vom Waldgänger

Indem man versucht, sich schlechthin gefährlicher zu machen als der Gefürchtete, führt man die Lösung nicht herbei. Das ist das klassische Verhältnis zwischen Roten und Weißen, zwischen Roten und Roten und morgen vielleicht zwischen Weißen und Farbigen.

(Ernst Jünger)

Ernst Jünger (1895 – 1998) gehört definitiv zu den Stichwortgebern der Neuen Rechten. Würde er noch leben, ließe er aber vermutlich kein gutes Haar an Kubitschek und seinen Kameraden, die ihn als Mentor vereinnahmen wollen. Sie zelebrieren Jüngers soldatischen Einzelkämpferethos auf ganz oberflächlicher Ebene, ohne sich um Jüngers tiefere Einsichten zu scheren. Und diesen Satz von Jünger werden sie ganz bestimmt nicht teilen, denn ihr Geschäft ist ja eben genau das Herbeiführen der Konfrontation, dieses „klassischen Verhältnisses“. Im weiteren Text plädiert Jünger dann für Dialog als Mittel, um den Gordischen Knoten zu durchschlagen. Dialog ist ein Fremdwort für Faschisten.

Das Zitat stammt aus Jüngers Essay „Der Waldgang“ von 1951. Der passt durchaus ins Lynx-Universum, auch wenn es sehr viel Reibungsfläche gibt. Jünger spricht dort von Saumpfaden und so. Die hat Lynx längst im Blick.

Aufmunterung

„Denn wenn das Glück es so fügt: daß ein mächtiges und aufgeklärtes Volk sich zu einer Republik (die ihrer Natur nach zum ewigen Frieden geneigt sein muß) bilden kann, so gibt diese einen Mittelpunkt der föderativen Vereinigung für andere Staaten ab, um sich an sie anzuschließen und so den Freiheitszustand der Staaten gemäß der Idee des Völkerrecht zu sichern und sich durch mehrere Verbindungen dieser Art nach und nach immer weiter auszubreiten.“

(Immanuel Kant. Zum ewigen Frieden. 1795)

Ganz kann ich es doch nicht lassen, mit Rechten zu reden. Einen Blumentopf kann man da nicht gewinnen, aber hin und wieder gelingt es in diesen „Gesprächen“ doch freizulegen, wessen Geistes Kind sie sind. Oder genauer: wessen Geistes Kind sie nicht sind. Wer kommt bei ihnen nicht vor, um wen machen sie einen Bogen bei ihren meist wortreichen Begründungen für einen neuen Faschismus? Kant gehört jedenfalls definitiv nicht zu ihren Heroen. Verständlich: hat er doch dem Faschismus alle Argumente entzogen, bevor der überhaupt in die Welt kam.

Ich muss gestehen, von seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ hatte ich schon gehört, wahrscheinlich zuletzt im Schulunterricht? Dass aber das Leitmotiv für die EU aus seiner Feder stammt, war mir so nicht mehr bewusst. Was für eine schöne Aufmunterung für den heutigen Tag! Und glasklare Orientierung, um was es auch künftig gehen muss.

Mantra #1

Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor dreißig Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt.

Lesenswertes Gespräch mit dem altgedienten Klaus Töpfer bei Zeit-Online (17.01.18), dort zitiert er dieses kluge afrikanische Sprichwort. Erstaunlich und wohltuend, wie unaufgeregt einer spricht, der jahrzehntelang politisch immer dort arbeitete, wo es besonders schwierig und wenig zu gewinnen war. Ein Diener unserer Gesellschaft: dies an die Adresse der ziellos Dauererregten.

Fotografie als Sprache und Diskurs?

„Fotografie ist keine Kunstform mehr, sondern eine Sprachform. Wir kommunizieren bereits damit, aber es fehlen noch klare Regeln, sozusagen ein Wörterbuch und eine ausgefeilte Grammatik. […] Der Kunsthistoriker Aby Warburg hat vor etwa 100 Jahren die These entwickelt, dass wir durch Bilder viel stärker geprägt werden als durch Worte. Laut Warburg werden die die größten Ideen durch Bilder übertragen, sie transzendieren Ideen und Glauben besser als Sprache. Wir erkennen in einem einzigen Augenblick auf sehr vielen Ebenen gleichzeitig, was ein Bild bedeutet. […] Bevor sie [die Bilder] vom Verstand auf Gehalt durchgefiltert werden, haben sie ihre Wirkung oft schon entfaltet. Bis hinein ins Allerkleinste sind Bilder Propaganda geworden, sogar für uns selbst…“

Frage: Nimmt bei dieser Entwicklung die Anzahl und Qualität diskursiver Bilder zu oder nicht?

Gespräch mit Leanne Shapton über Bilder, Süddeutsche Zeitung Nr. 271/2017, S. 54